Vacation 05/1991 - Mit meinen Neffen Andreas, Markus und Christian im Planwagen durch Irland
Slatterys Planwagen Vermietung

Als ich 1989 zum ersten Male nach Irland gereist bin hatte ich zuvor natürlich diverse Reiselektüre studiert. Damals ist mir eine Anzeige aufgefallen, die Irland-Urlaub in einem Planwagen angeboten hatten. "Das wäre doch was zusammen mit meinen 3 Neffen Andreas, Markus und Christian", dachte ich mir. Zwei Jahre später haben wir das in die Tat umgesetzt.

Nachdem ich mit meinen Schwestern, Schwagern und natürlich den Kids alle wichtigen Dinge abgesprochen hatte wurden Flüge und Planwagen für die Osterferien gebucht und ab ging's auf die Grüne Insel. Die erste Nacht haben wir in einem netten Bed & Breakfast House in Limerick bei Mr.O.Tool verbracht. Nachdem wir unsere Klamotten in den Zimmern verstaut hatten sind wir ziemlich ausgehungert ins nahe gelegene Stadtzentrum gegangen um noch was zu essen. In einer Pizzeria haben wir natürlich alle das Pizza-Format "Groß" bestellt. Oh weija, die Pizza ähnelte eher an eine Familienpizza, wir mussten ganz schön stopfen.... hahaha

Vom Vorabend noch recht gut gesättigt haben wir das super leckere Englische Frühstück und die nette Art von Mr. O. Tool genossen - am Ende unseres Urlaubs werden wir hier ja nochmal Unterkunft finden. Nach dem Frühstück sind wir mit einem Taxi nach Tralee zu dem Standort der Planwagen-Vermietung gefahren.

Englisches Frühstück bei Mr.O.Tool - Abenteuer im Planwagen

War schon ganz schön spannend als wir dort vor unserem "Wohnhaus" für die nächsten 10 Tage standen. Die Kids durften sich ein Pferd aussuchen welches unseren Planwagen ziehen sollte. Christian hatte sich direkt mit einem Mädchen angefreundet, die meinte, dass Smokey ganz lieb wäre. Gesagt, getan, wir entschieden uns für ihn. Ich hatte ja 1988 Reiten gelernt, war also im Umgang mit Pferden schon etwas geübt. Uns wurde erklärt wie wir das Pferd vor den Wagen spannen, wie's versorgt wird und wie wir unsere Tagesetappen planen sollten.

Die erste Nacht haben wir dann auf dem Gelände von Slattery's verbracht bevor wir am nächsten Morgen anhand des Routen-Übersichts-Plans loszogen. Was für ein geiles Gefühl von Freiheit war das - wir fühlten uns wie Cowboys auf einem Track - hoffentlich überfallen uns keine Banditen....hahaha.

Es sollten immer nur zwei, höchsten drei Personen auf dem Wagen sitzen, sonst müsste das arme Pferd zu viel ackern. Ich bin also die ganze Zeit neben dem Gespann hergelaufen, hab fotografiert und die wunderschöne Landschaft genossen. Die eingezeichneten Routen führten uns entlang recht schmaler Straßen, ganz selten kam uns mal ein Auto entgegen. Hier ist ja Linksverkehr, ich hatte die Kids schon des Öfteren drauf hinweisen müssen das Gespann auf der richtigen Spur zu halten. (war vielleicht etwas zu pingelig damals..., naja, hatte aber auch die Verantwortung für die Drei und schon manchmal Sorgen das etwas passieren könnte).

Die frische Luft und das Abenteuerfeeling ließen uns in unseren gemütlichen Kojen immer recht gut Schlafen - naja, diverse Kuscheltiere trösteten ja auch bei aufkommendem Heimweh... (wer wohl mehr unter der Trennung lit, die Kids oder die Eltern??? Gab ja damals noch keine Handies oder Smartphones wo man hätte ständig im Kontakt stehen können...hahaha)

Unterwegs im Planwagen

Wir legten täglich Strecken von 10 - 15 Kilometer zurück, sodass wir die vorgegebenen Übernachtungsplätze stressfrei schon nachmittags erreichen konnten. Diese Plätze waren alle höchst unterschiedlich, mal in einem Dorf neben einer Herberge, mal direkt am Meer auf einer riesigen Koppel. Wenn wir den Planwagen geparkt hatten bekam Smokey seine abgemessene Kraftfutterration und kam dann für die Nacht auf eine Weide. Wir bereiteten dann unser Essen zu und spielten danach meistens irgendwas - Federball, Fußball, Frisby, Brett- oder Kartenspiele.

Nach ein paar Tagen wurde ich immer fitter. Ich rannte ja oft einige hundert Meter voraus um das Pferdegespann und die Kids zu fotografieren. Hat mir total viel Spaß gemacht, diese wunderschöne Landschaft mit ihren farbenfrohen Gebäuden, Natursteinmauern, Hecken, Gräben, Wiesen und Pflanzen zu genießen.

Nach einigenTagen bemerkte ich aber auch einen recht strengen Geruch im inneren unseres Planwagens. War da irgendwo ne tote Maus, angegammeltes Pferdefutter oder gar ein Leck an dem Gaskocher? Ich habe gesucht und gesucht aber nichts gefunden. Als ich die Kids bat mal in ihren Rucksäcken zu schauen fanden wir die Quelle des Übels.... Es waren nassgewordene, schweißfußgetränkte Socken!!!! Iiiegitt, iiegitt, wie ekelig... Zum Glück gab's auf der großen Übernachtungswiese eine Waschgelegenheit. Bestimmt zum ersten Mal in ihrem Leben wurden die Kids verdonnert ihre dreckigen, stinkenden Socken mit der Hand zu waschen. Stirnerunzelnd gaben sie sich alle Mühe, ich hab mich vom weiten schlapp gelacht, ein Bild für die Götter!!! Noch schöner war dann der Anblick unseres Planwagen am nächten Tag. Wir hatten Längsseits eine Wäscheleine gespannt und die Socken in Reih und Glied zum Trocknen aufgehängt. Muss noch jetzt schmunzeln....

Große Wäsche

Nicht zum Schmunzeln war mir, als wir Nachmittags an einem Übernachtungsplatz vorbei gelaufen sind. Auf unserem Plan sah es so aus als müssten wir noch weiter laufen. Smokey, der die gesamten Routen wahrscheinlich in- und auswendig kennt, weigerte sich plötzlich weiter zu gehen. Er wollte kehrt machen und dabei über einen seitlich liegenden Wall klettern. Die Deichsel stand quer und als Smokey zurück wich hätte er fast den Wagen umgeschmissen. "Schnell raus, schnell raus", schrie ich, konnte aber in letzter Sekunde das Unheil verhindern. Was ein Schreck....

Smokey bekam also seine Willen. War ein ganz netter Platz direkt am Meer. Zudem waren mit den anderen Planwagen die hier standen einige gleichaltrige Kids mit ihren Eltern unterwegs. Irgendwann saßen 6 - 7 Kids in unserem Wagen und spielten Karten - nur begriff erst keiner von uns die Englischen Bezeichnungen der Spielkarten. "Kreuz" heißt dann "club", "Pik" heißt "spade", "Herz" heißt "hearts" und "Karo" nennt man "diamonts". Das "Ass" heißt "ace" - damals hatte Lemmy den Song "Ace of spades" noch nicht komponiert.....

Ace of spades

 

In dem kleinen Fischerdorf Dingle war am Hafen sogar Kirmes. Echt der Hammer diese Fahrgeschäfte. Bei uns in Deutschland hätte der TÜV bestimmt allen Inhaber der Karussells die Lizenz entzogen, die hatten allesamt wohl noch nie was von Sicherheitsvorschriften gehört. Naja, die Kids hatten Spaß und passiert ist auch nichts...hahaha

Abends sind wir in einem Restaurant lecker essen gegangen und waren nachher noch in einem Pub um Irischer Live-Musik zu lauschen.

Cowboy-Feeling von Abenteuer und Freiheit

 

Der Rastplatz in Ventry war der Highlight der Tour - eine riesige Wiese direkt an einem Hügel, ganz oben die Koppel für Smokey. Was für eine Aussicht über die Dingle-Halbinsel. Wir sind am Strand entlang gelaufen, haben sogar eine Pilgermuschel gefunden, die heute als Souvenir meine Sammlung ziert. Vor unserem Planwagen war sogar eine Feuerstelle die wir natürlich abends genutzt haben. Jetzt war das Cowboy-Feeling von Abenteuer und Freiheit perfekt!!!

Eine ganz besondere Urlaubsreise war das: zum Einen die richtige Art dieses Land kennen zu lernen, schön ruhig und gemütlich am Busen der Natur, zum Anderen ein echtes Abenteuer für mich und meine 3 Neffen.

Bunratty Castle

 

Zum Abschluss unserer Urlaubsreise machten wir nochmals bei Mr.O.Tool Station. Mein Kumpel Brendan, mit dem ich in Saudi Arabien zusammen gearbeitet habe, wohnt ja in Limmerick. Wir haben uns also für ein paar Stunden mit Brendan getroffen und erzählt, wie viel Spaß so ein Planwagenurlaub macht, was es Neues Zuhause gibt und was es auf dem Musikmarkt für interessante Neuerscheinungen gibt.

Ein Besuch in Limmericks Bunratty Castle war auch echt cool. Wir konnten vom großen Rittersaal hinauf bis zu Vorratsspeichern, Küche und Schlafgemächern alles erkunden - vor allem die schmalen Geheimgänge waren für die Kids das Beste. Wenn ich mich recht erinnere musste ich sie schon einige Male suchen....

Onkel Achim rulez!!!!!

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