Vacation 04/1987 - Malediven

Traumhafter Blick aufs Meer

Was war das damals (1987) für eine irre Zeit. Mein 1 1/2 jähriger Arbeitseinsatz in Saudi Arabien war gerade vorbei, ich hatte in dieser Zeit einiges von der Welt gesehen (Saudi Arabien, Indien, Ägypten), jetzt ging es für drei Wochen auf die Malediven. Die zahlreichen Flüge mitsamt dem Ein- und Auscheck-Prozedere in diesen Ländern haben mich echt ganz schön cool werden lassen. Der damalige Freund meiner Schwester Annette und ich hatten uns mal eben überlegt zusammen per Last-Minute in Urlaub zu fliegen. Gesagt - getan, ab zum Düsseldorfer Airport, die Angebote studiert und für den nächsten Tag die 3-Wochen Malediven Reise gebucht.

Wieder zurück nach Hause, noch schnell ne Badehose gekauft und ab ins Forum, erst mal ne Pizza und ne Cannelloni essen. Eine halbe Stunde!!! bevor es am nächsten Tag losging schnell die Reisetasche gepackt und ab ging's...

Wie verrückt war das denn: wir mussten in Bahrain zwischenlanden um für diesen Langstreckenflug aufzutanken. Bahrain liegt ja nur wenige Kilometer von dem Ort in Saudi Arabien entfernt an dem ich mich 1 1/2 Jahre aufgehalten hatte. Und richtig, kurz nach dem Start fliegen wir doch glatt über das Zementwerk indem ich gearbeitet hatte. Echt krass!!!! Ein leicht wehmütiges Gefühl beschleicht mich...

Meerufenfushi mit Rezeption, Bougainville und Korallensteinhaus

Wir landen auf Male, der Hauptstadt der Malediven. Die Start- und Landebahn ist quasi ins Meer gebaut, die Flügelspitzen unseres Flugzeugs ragen fast seitlich über festen Boden hinaus, so schmal ist das hier angelegt. Wir besteigen ein kleines Boot welches für ca. 20-30 Passagiere geeignet ist und los geht die fast 3-stündige Überfahrt nach Meerufenfushi. Was für ein geiles Wetter hier - bestimmt 35 °C und Sonne pur. Also runter mit den Klamotten - juhuuuu - Urlaub!!!

Eine recht große Gruppe Delphine begleitet uns, mehrere Jungtiere sind dabei. Es sieht so aus als hätten die gerade entdeckt, das sie auch aus dem Wasser springen können. Was für ein grandioses Schauspiel: immer wieder schießt ein kleiner Delphin aus dem Wasser, überschlägt sich, dreht Saltos, hat sichtlich einen heiden Spaß daran.

Nach einer Weile merken wir, dass die Sonne hier doch ne ganz schöne Kraft hat - die Haut rötet sich schon ein wenig. Also ab unter das Sonnendeck - nicht so ganz einfach, denn schattige Plätze haben sich auch schon andere Mitreisende gesucht. Bedingt durch den erfrischenden Fahrtwind merken wir nicht, dass jeder Zentimeter unserer Haut die nicht durch Schatten geschützt ist sich mehr und mehr von rot Richtung dunkelrot färbt, nach wenigen Stunden auf den Malediven hab ich den ersten, heftigsten Sonnenbrand an einer Hand.

Fischerboote auf der Nachbarinsel

In Meerufenfushi angekommen bekommen wir in der Rezeption alle Informationen für unseren Aufenthalt. Das Gebäude ist aus Korallenstein gebaut, der Boden besteht aus Sand - Schuhe brauchen wir hier nicht. Wir richten uns in unserem Zimmer mit Bad ein und fangen erst mal die Geckos und befördern sie nach draußen. In ein paar Tagen werden wir es umgekehrt machen - die flinken Krabbeltierchen fressen doch glatt die Mücken, und davon gibt es hier reichlich....

Wir erkunden die Insel, die in gut 30 Minuten Fußmarsch umrundet werden kann. Restaurant und Bar sind nur durch ein Schilfdach geschützt, ansonsten ist alles offen gehalten. Kokus-Palmen, Bananen-Stauden, herrliche Bougainville-Bäume und traumhafte Strände, "mehr" gibt es hier nicht. Als wir so am Strand entlang schlendern ruft Detlef plötzlich: "hey, da sind ja Baby-Haie". Was ein Quatsch denk ich mir. Erst als er das erneut ruft sehe ich es auch: tatsächlich - etwa 30-40 cm große Baby-Haie strecken ihre kleine, spitze Rückenflosse aus dem Wasser ziehen ihre Bahnen entlang des Ufers. Hammer!!!

Wir leihen uns in der Tauchbasis Schnorchel, Maske und Flossen aus und ab geht's ins herrlich warme Wasser. Unglaublich was uns da erwartet, was für ein Reichtum an farbenprächtigsten Fischarten - wir kommen aus dem Staunen nicht raus. Immer wieder Schwärme von Fischen in allen erdenklichen Formen und Farben, wunderschöne Muscheln, mal schaut ein Einsiedlerkrebs heraus, einzelne Korallen, kleine Moränen die sich darin verstecken. Stundenlang schnorcheln wir so herum, fasziniert von diesem Unterwasserparadies. Nur merken wir nicht, dass die Sonne uns den Buckel verbrennt. Oh weija, der nächste Sonnenbrand ist da, und der ist ganz schön heftig ausgefallen. Wir besorgen uns Sonnencreme und relaxen in der Bar. Nachts schmerzt es ganz schön, die Mücken tun ihr übriges.

Schlau vom Vortag schnorcheln wir am nächsten Tag bekleidet mit langärmeligem Hemd. Wieder bekommen wir den Kopf stundenlang nicht aus dem Wasser, wir sind wie gebannt von dieser wunderbaren, fremden Unterwasserwelt. Jetzt steht es definitiv fest: wir werden uns für einen Tauchkurs anmelden. Allerdings müssen wir erst eine kleine Zwangspause einlegen. Unsere Vorsichtsmaßnahmen bezüglich Sonnenbrand war nicht ausreichend genug, haben wir uns doch glatt auch noch Bollen und Waden verbrannt. Zeit um die Nachbarinsel und ihre Einwohner zu besuchen...

Faszinierende Unterwasserwelt

Nachdem die schlimmsten Schmerzen vom Sonnenbrand etwas abgeklungen sind informieren wir uns über Tauchkurse an der PADI Tauchschule und nehmen direkt an einem Schnuppertauchkurs teil. Nach den wichtigsten theoretischen Grundkenntnissen geht's ab unter Wasser. Klappt alles bestens, wir sehen in der Ferne sogar die ersten Weiß- und Schwarzspitzen Haie. Diese bis zu 2 Meter langen Riffhaie beängstigen mich eher nicht, sie sehen einfach nur elegant aus wie sie daher gleiten. Da gibt es andere Arten wie z.B. den Napoleonfisch die mir rein optisch gesehen mehr Respekt abzollen. Wir melden uns natürlich zum Tauchlehrgang an, nur zum Sonnenbaden sind wir ja nicht auf die Malediven geflogen. Neben der Vermittlung des umfangreichen theoretischen Materials gehören 6 Tauchgänge mit entsprechenden Übungseinheiten dazu.

Was macht das Spaß in einer netten Gruppe von 6 Schülern zu lernen und zu Tauchen. Es gehört alles dazu, Wechselatmung, komplette Ausrüstung unter Wasser ablegen und wieder anziehen, ein paar Meter ohne Maske tauchen bis hin zum Notaufstieg. Wir bestehen alle die Prüfung, ich bin so fasziniert das ich weitere Tauchgänge incl. Nachttauchgang buche. Unser Hausriff liegt nicht direkt vor der Insel, so fahren wir immer raus zu verschiedenen Tauchplätzen. Mal ist die Strömung ganz schön heftig, wir tauchen schnell runter zum Riff und halten uns irgendwo fest, bevor wir uns in der Gruppe einfach treiben lassen. Förmlich schwerelos zu sein, nur das eigene Atemgeräusch wahrnehmend, geht es bei jedem Tauchgang durch eine faszinierende Unterwasserwelt, wie es sie nur an wenigen Stellen in den Weltmeeren gibt. Unser Tauchlehrer kennt zahlreiche Stellen, wo sich die verschiedensten Fische wie z.B. ein kleiner, weißer Schaukelfisch, Muränen oder Anemonenfische aufhalten. Wir tauchen an riesigen Fächerkorallen vorbei, sehen Haifische, wie sie in ihren Unterwasserhöhlen dösen, giftige Feuerfische oder eine zum greifen Nahe, ausgewachsene Schildkröte, wie sie erschrocken unter mir herschwimmt. Unglaublich!!!!!!.

Faszinierende Unterwasserwelt

Bei einem Tauchgang habe ich das Glück allein mit unserem Tauchlehrer unterwegs zu sein. Er nimmt mich mit auf 38 Meter Tiefe (Freizeittaucher sollten eigentlich nicht tiefer als 25 Meter tief tauchen) zu einer Kante, an der das Riff endet und tausende Meter tief in den Abgrund des Indischen Ozean abfällt. WOW, was für ein irres Gefühl: zum Einen so tief zu tauchen, zum Anderen über diese Kante hinweg zu tauchen und irgendwie das Gefühl zu haben, den Boden unter sich zu verlieren.

Je tiefer wir tauchen um so mehr verändert sich das Unterwasserbild. Nach wenigen Metern bereits wird mehr und mehr Farbe durch das weniger werdende Sonnenlicht herausgefiltert. Wenn man bei Nachttauchgängen mit einer Lampe ausgerüstet ist erscheint diese unbeschreibliche schöne Farbenpracht dann wieder zu 100 Prozent.

Die Sichtweite ist hier allerdings ganz enorm, bestimmt 30-40-50 Meter können wir problemlos alles erkennen, und auch warm ist es. Wir brauchen keinen Schutzanzug, tauchen allerdings mit Jeans, um uns nicht an den messerscharfen Korallen versehentlich zu verletzen. Diese Welt ist so einzigartig, wir können uns immer erst nach einem Tauchgang über das Erlebte austauschen, hin und wieder kommunizieren wir per Zeichensprache, ansonsten bin ich beim Tauchgang mit mir alleine. Eine ganz neue Erfahrung die es in dieser Art wohl nicht oft gibt....

Ach ja, eine ganz abgedrehte Briefmarke von den Malediven entdecke ich hier in dem kleinen Store auf der Insel. Sie zeigt John Lennon und die amerikanische Freiheitsstatue, ist verziert mit arabischen Schriftzeichen. Echt krass....

Briefmarke mit John Lennon

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