Vacation 10/1985 - Ägypten
Gizeh Pyramide

Bevor ich über meinen ein-wöchigen Urlaub in Ägypten berichte, muss ich erneut etwas weiter ausholen. Im Oktober 1984 habe ich ja im Saudi-Kuwaiti Zementwerk SKC in Saudi Arabien eine 1 1/2 jährige Tätigkeit als Technical Assistant im physikalischen Labor-Bereich im Auftrag der Krupp Polysius AG aus Neubeckum übernommen. Wir waren ca. 20 Technical Assistants, die meisten Deutsche, es gab aber auch zwei junge Leute aus Irland, einen Engländer und einen Schotten. Ich freundete mich recht schnell mit Brendan Russell aus Limerick an. Witziger Weise war Brendan im Juni 1984 während eines Besuchs bei der Krupp Polysius AG hier in Neubeckum auf dem selben "YES Konzert" wie auch ich.

In 1984 sprudelten die Milliarden-Gewinne der Arabischen Öl-Scheichs nicht mehr so wie zu der Zeit, als diverse Vertäge mit Krupp Polysius abgeschlossen wurden. Für einen Technical Assistant mussten die Betreiber des SKC Zementwerkes 10.000 US $ berappen - das waren beim damaligen Wechselkurs über 20.000 DM - pro Monat versteht sich!! So wollte die Führungsebene gerne einige von uns loswerden. In den Chefetagen saßen überwiegend Saudis, Ägypter und Brahmanen, welche nicht gerade all zu gut auf die Engländer zu sprechen waren. So mussten leider diese vier Kollegen ihre Koffer packen und Saudi Arabien verlassen.

Kullanter Weise besorgte Ihnen Krupp Polysius Arbeitsplätze in anderen Ländern, mein Freund Brendan landete in einem Zementwerk in der Nähe von Kairo. Wie schon bei meinem Trip nach Indien nutzte ich einen Urlaubsflug nach Hause, um auf dem Rückweg nicht direkt nach Saudi Arabien, sondern mit einem Abstecher über Kairo dorthin zu gelangen.

Ägyptisches Museum - Reges Treiben in der Stadt und 
        auf dem Basar

Ich quatierte mich in Brendans Appartment ein. Als erstes erkundete ich das Zentrum von Kairo. Dieses unvorstellbar geschäftige Treiben in der Innenstadt stellte mich das ein oder andere Mal vor ganz schön große Probleme. Wo Mütter mit 2-3 kleinen Kindern im Schlepptau problemlos die mehrspurigen Strassen überquerten, brauchte ich einmal an die 30 Minuten, um unversehrt von einer zur anderen Strassenseite am Niel zu gelangen. Es war mir echt ein Rätsel wie die Einheimischen das anstellten, sich Ruck-Zuck zwischen den ständig hupenden Autos hindurchzuschlängeln.

Auch in den vielen Basaren war's nicht viel einfacher, aber höchst interessant. Was es dort alles zu entdecken gab - uralte Steintreppen führten immer wieder in neue Gassen oder hinein in die Wohn-und Geschäftshäuser mit handwerklichen Werkstätten und Souvenierläden. Ich fühlte mich wie in einem orientalischen Märchen aus "Tausend und einer Nacht". Ich kaufte natürlich einige Papyrus-Bilder die jetzt noch bei mir neben den Seidenmalereien aus Indien an der Wand hängen.

Im Ägyptischen Museum, welches logischer Weise das weltweit größte Museum für altägyptische Kunst ist, konnte ich mich zwar ungehindert bewegen, die über 100.000 Artefakte die über zwei Stockwerke verteilt dargestellt waren, erschlugen mich allerdings. Hier sind nahezu unversehrte Fundstücke aus Grabschätzen, wie die goldene Totenmaske Tutanchamuns oder ganze Königsmumien, zu bestaunen. Ohne eine Führung einfach zu viel für mich, das geht mir in Museen aber immer so...

Pyramiden von Sakkara

Jetzt wird es richtig aufregend - ich fahre heute zu den weltberühmten Pyramiden. Wie schon bei meinem Reisebericht über Indien erwähnt gab es 1985 noch kein Internet, auch was Ägypten, Kairo und die Pyramiden angeht war ich wieder einmal in keinster Weise über das informiert, was mich hier erwartete. Jetzt kam mir zu Gute, dass Brendan schon einige Monate hier in Kairo war und mir gute Tipps bezüglich meiner Erkundungstouren geben konnte. Ich handelte mit einem Taxifahrer nahe meiner Unterkunft einen Tagespreis aus und los gings quer durch Kairo zu den Cheops-Pyramiden von Gizeh.

WOW, direkt da wo die Stadt endet und die Wüstenregion anfängt stehen sie plötzlich da, diese gigantischen Wahrzeichen einer uralten Kultur. Bis heute ist ja nicht zu begreifen wie solche Bauwerke mit primitivsten Mitteln vor tausenden von Jahren erbaut wurden. Ich umrunde dieses weitläufige Areal um die Cheops-Pyramiden auf dem Rücken eines Kamels. Mein Guide hält allerdings einige Male an diversen Souvenierläden, echt nervig. Ein Geschäft ist mir aber in guter Erinnerung geblieben: hier gab es edelste und reinste Öle, gewonnen aus den verschiedensten Pflanzen- und Blumenmaterial, überall Regale voll mit 2-3-4 Liter Karaffen. Namhafte Parfumerienen aus Paris und New York kaufen hier ein, zudem haben sich hier zahlreiche Persönlichkeiten in das dicke, alte Gästebuch eingetragen. Der Geschäftsinhaber blättert stolz darin herum und zeigt mir Einträge der Beatles, Marilyn Monroe, Muhammad Ali, u.s.w. Echt beeindruckend!!! Ich nehme 2-3 kleine Fläschchen mit, ein halbvolles Fläschchen mit reinstem Moschusöl gehört als weiteres wertvollstes Stück zu meiner Souveniersammlung.

Brendan hatte mir davon abgeraten ins innere der Pyramide zu gehen. Es kostet einiges, in gebückter Haltung geht man einige Zeit durch schmale, niedrige Gänge um irgendwann in einer leeren Grabkammer zu stehen. Die Pyramiden von Sakkara, welche zu den ältesten Stufenpyramiden zählen, wären da viel interessanter. Recht hatte Brendan. Nach einer ca. 1 stündigen Fahrt entlang des Nildeltas erreichen wir die teils zerfallenen Pyramiden. Hier ist kaum eine Menschenseele anzutreffen - heute fast nicht denkbar, das ich mich völlig frei durch die Grabkammern mit zahlreichen, wunderschön erhaltenen Hieroglyphen und Zeichnungen bewegen kann.

Sonnenuntergang am Nil

Abends bummeln wir nochmal am Nil entlang, da liegt ein aus Papyrus gebautes Boot, wie es wohl schon früher gebaut, und als wichtiges Transportmittel eingesetzt wurde. Wir gehen lecker Essen (die arabische Küche gefällt mir ausgesprochen gut), und reden über die Zeit als wir zusammen in Saudi Arabien gearbeitet haben.

Schnell sind die Tage in Kairo vorrüber. Schon das zweite Weltwunder (wenn man die Neuen dazuzählt) welches ich innerhalb eines halben Jahres bewundern konnte. Ein ganz besonderes Erlebnis!!!

Beinahe hätte ich meinen Rückflug verpasst. Auf dem Airport war irgendwie nur eine Sicherheitsschleuse geöffnet, was für ein Gedrängel und Geschupse....

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