Vacation 09/2018 - Lüneburger Heide - Susanne und Joe

Juhuu, wir haben 3 Wochen Urlaub. Eine aufregende Zeit liegt hinter mir/uns. Auf dem "Neuen Laakenhof" hat ein zweiwöchiges, internationales Workcamp mit 13 jungen Leuten aus 9 verschiedenen Ländern stattgefunden, beidem ich in der Planung und Durchführung recht intensiv beteiligt war. Hat riesig viel Spaß gemacht, war aber auch recht anstrengend. Seit einigen Monaten füttere ich zudem 3 mal in der Woche die Hühner auf beiden Höfen, auch das macht riesig viel Spaß (sie fressen mir liebend gerne aus der Hand!!! I love Putties....). Nunja, jetzt mal die Beine hochlegen, wandern, relaxen, freuen uns riesig drauf!

Unser Ziel für die ersten 10 Tage ist die Lüneburger Heide. Da wir keine langen Strecken zu bewältigen haben gehen wir alles ganz entspannt an. Wir nehmen uns Zeit zum packen und starten "erst" am Samstagmittag. Meine Schwägerin Annette ist gerade in Bad Salzuflen in der Reha, da es auf dem Weg liegt besuchen wir Annette, bleiben dort auch für eine Nacht. Nachmittags spazieren wir durch den Park, indem sich eine Kopie des Möhnesee - Torhaus - Kaffee befindet. Natürlich kehren wir dort ein und genießen Kaffee & Kuchen. Lediglich die leicht füllige Dame schaut etwas zerknirscht, als Joe ihr ein Stück von ihrer Bratwurst abbeißt... hahaha Nach einem Bummel durch die Fußgängerzone mit zahlreichen alten Fachwerkhäusern kehren wir ein einem türkischen Bistro ein und genießen mit Käse überbackenen Döner. Nach dem Abendspaziergang zurück zur Klinik spielen wir noch zwei Runden "Schlamm" im WOMI, echt gemütlich. Die Nacht ist aber im ersten Teil recht unruhig, es regnet und prasselt aufs WOMI-Dach. Die zweite Nachthälfte schlafen wir aber bestens, ich träume wie fast jede Nacht gleich mehrere verrückte Träume...

Es geht los...

Nach dem Frühstück geht's weiter über Hannover in Richtung Heide. Die vom Navi prognostizierte Ankunftszeit verfehlen wir glatt um 3 Stunden. Erst geraten wir wenige Kilometer vor der Abfahrt in einen ellelangen Stau, dann jagd uns das Navi quer durch die Dörfer, und das nur über Feldwege. War kurz davor das Navi ausm Fenster zu schmeißen, muss an eine ähnliche Situation denken, als ich mit Alina des Nachts stundenlang durch die tschechischen Wälder geschlichen bin.... Die gute, alte Landkarte hilft uns schließlich weiter, so erreichen wir unseren ersten Übernachtungsplatz - ein Wanderparkplatz direkt neben ausgedehnter Heidelandschaft.

Nach dem Mittagessen (es gab die Reste vom gestrigen Restaurantbesuch) erkunden wir die ersten Wanderwege. Es nieselt zwar ein wenig, die frische Luft aus Kiefern- & Gräserduft, hier und da noch wunderschön blühende Heidebüschel, Flechten und allerlei Blühten bescheren uns das erste Heide-Urlaubsfeeling. Wieder zurück gibt es Espresso & Pflaumenkuchen, danach spielen wir Rommé & Schlamm und chillen gemütlich in den Abend hinein.

In der Heide angekommen

Heute Nacht hat es immer wieder heftig geregnet, das geprasselt auf dem WOMI-Dach weckt uns immer wieder auf. Schnell Pipi machen und weiterschlafen, so geht's die Nacht hindurch. Dafür bleiben wir auch bis nach 8:00 Uhr in der Koje. Zum Frühstück gibt es lecker Rührei und geröstetes Baguette. Trotz sehr wechselhaftem Wetter machen wir uns auf, mit Regenjacke & Schirm bewaffnet geht es in Richtung des aus der Ferne interessant anmutenden Holzgebäudes, welches sich als Hochsitz oder Beobachtungsstation entpuppt. Vorbei am alten Schafstall und an schönen, reetgedeckten Bienenunterständen entdecken wir immer wieder die Reize dieser Naturlandschaft, echt schön! Sonne und Regen wechseln sich heute im halbstunden-Takt ab und wir bekommen den ein oder anderen Schauer ab, nichts desto trotz genießen wir die Natur in vollen Zügen....

Behringer Heide

Spätnachmittag fahren wir weiter auf einen Wohnmobilstellplatz nahe Schneverdingen. Die Toilettenkasette ist schon recht voll, zudem bringt unsere Solaranlage bei den wechselhaften Wetterbedingungen nicht genügend Strom. Echt schön der Stellplatz, welcher an einen Campingplatz angegliedert ist. Dort gibt es ein kleines Restaurant, ein Nostalgiebad, einen kleinen Klanggarten, eine Beautyfarm (Susanne wird sich da mal ne Kopf- & Nackenmassage gönnen), einen großen Schwimmteich sowie einen Streichelzoo. Die drei Hühner bevorzugen allerdings die Wiese auf dem Wohnmobilstellplatz: als ich dann wie auf dem Laakenhof "puuttiiie puuttiiie" rufe, kommen die Drei in windeseile angelaufen und wollen was zu fressen haben. Susanne & ich sind völlig aus dem Häuschen: unglaublich, damit hatten wir nicht gerechnet, hat es sich unter dem Federvieh doch tatsächlich bis in die Heide rumgesprochen, dass ich der berühmte Hühnerflüsterer Joe vom Laakenhof bin...

Campingpark Lüneburger Heide

Wie's Irrlicht im Moor, flackerts empor... Dieser Trinkspruch aus alten Zeiten schießt mir bei unserer heutigen Tagesplanung direkt in den Kopf. Wir wollen heute eine Tour zum Pietzmoor unternehmen. Nach ausgedehntem Frühstück (mit Blick auf die Putties) radeln wir die 7 km zum 8.000 Jahre altem Pietzmoor. Ein 5 km langer Rundwanderweg aus Bohlenstegen quer durch die faszinierende Hochmoorlandschaft bietet uns wunderschöne, teils bizarre Landschaftsbilder, die ich bei herrlichstem Sonnenschein mit der Kamera einfange. Susanne entdeckt sogar eine kleine Echse, für die hier heimische Kreuzotter ist es wohl nicht warm genug. Vielleicht haben wir ja Donnerstag glück, da soll es über 20°C werden.Pietzmoor

Zwischenzeitlich haben wir Kontakt zu unserer Freundin Kertin aufgenommen, die hier in der Lüneburger Heide als Schäferin arbeitet. Kerstin hat schon früher, als Susanne und Herbert in Ostenfelde noch einen kleinen Milchschaafshof betrieben hatten, dort in der Urlaubszeit ausgeholfen, später war Kerstin auch immer wieder auf dem Laakenhof, um dort bei Engpässen einzuspringen. Kerstin wohn mit ihrem Freund Ralf inmitten eines riesigen Naturschutzgebietes im 30 Einwohner zählenden Örtchen Wilsede, das Beste, wir können die beiden dort besuchen.

Mit ner Sondergenehmigung fahren wir im Schritttempo die 3 km lange Kopfsteinpflasterstraße durch die schönste Heidelandschaft und haben dann vor ihrem reetgedeckten Fachwerkhaus einen kaum zu überbietenden Stellplatz für unser WOMI. Ralf ist als Schäfer mit eine Herde aus ca. 300 Schafen und 30 Ziegen in der Heide unterwegs, Kerstin hat bei dem Verein "Naturschutzpark Lüneburger Heide e.V." einen Halbtagsjob, beidem sie die verschiedenen Schäferei-Standorte anfährt und dort allerlei verschiedene Tätigkeiten ausführt. Fast alles hier gehört dem Verein "Naturschutzpark Lüneburger Heide e.V.", 6000 Hektar Heide, die Schafherden, die meisten Höfe, zudem hier in Wilsede auch ein Bioland-Schulbauernhof, Heidemuseum und Ausflugsrestaurant gehört.

Eine erste kleine Wanderung zum "Totengrund", wo der Sage nach Riesen begraben sind, gibt uns einen ersten Einblick in diese faszinierende Heidelandschaft, welche sich hier recht hügelig darstellt. Auch die erste große Schaafsherde entdecken wir, können sogar bei den spektakulären Rangkämpfen der Böcke zuschauen: 5-6 Schritte rückwärtsgerichtet jagen die beiden Rivalen dann aufeinander zu und hauen ihre gehörnten Schädel sowas von heftig gegeneinander, dass das Geräusch weithin zu hören ist. Von Berichten im Fernsehen kennen wir das ja, aber das Live zu erleben ist schon was besonderes. Ne ganze Weile beobachten wir die Tiere, bevor wir wieder zurück zum WOMI gehen. Kerstin stellt uns später noch Jürgen vor, der Schäfer dieser Herde ist und sich bereit erklärt, uns am Freitagmorgen mit auf die Wanderung zu nehmen. WOW, wie geil ist das denn... Joe, der Hühnerflüsterer geht fremd und versucht sich als Schaf-, Ziegen und Hütehundflüsterer.... Naja, ob das was wird???

Naturschutzgebiet Wilsede

Kerstin & Ralf sind heute in Sachen Schafe unterwegs, wir werden eine erste Wanderung durch das Naturschutzgebiet unternehmen. Der Wilseder Berg & das Fürstengrab sind unsere Ziele. Der Wilseder Berg ist tatsächlich mit 165 NN der höchst gelegene Punkt in der Norddeutschen Tiefebene. Uns bietet sich bei zwar böigem, aber sommerlich warmen Wetter immer wieder ein beeindruckender Blick über die Heide und in die Ferne. Interessant ist, dass sich bei genauem hinsehen die Beschaffenheit der Heide alle paar hundert Meter verändert. Mal dominieren Birken, Eichen oder Eiben das Bild, mal erstreckt sich ein frisch-grüner Teppich aus Blaubeerpflanzen entlang des Weges, der mal fest, mal ganz aus lockerem Sand besteht. Dann tauchen Haufen von Findlingen auf, Hügelgräber sollen hier sein, sind aber für den Laien nicht wirklich auszumachen. Gegen 15:00 Uhr sind wir wieder zurück und genießen Espresso und Plätzchen vorm WOMI.

Susanne radelt später zum benachbarten Örtchen Udeloh, ich fahre nochmals ins Pitzmoor, die Chance bei dem warmen Wetter doch noch eine Kreuzotter zu entdecken lassen mich nicht los. Statt der Kreuzotter bekomme ich dann zwar nur einen Kreuzblütler vor die Linse, aber es war trotzdem wieder beeindruckend diese Moorlandschaft zu erkunden.

Naturschutzgebiet Wilsede

Der Tag der Wahrheit ist angebrochen, heute wird sich zeigen ob ich als Schaf-, Ziegen und Hütehundflüsterer tauge. Mit den 5 Hütehunden von Ralf hab ich mich bereits angefreundet. Als jemand der eigentlich keine Hunde mag, hab ich mich tapfer geschlagen! Die Bellos haben es sogar genossen von mir gekrault zu werden! Um 9:15 Uhr treffen wir Jürgen am Schafstall, dieser liegt gerade mal 500 Meter von Kerstins & Ralfs Wohnhaus entfernt. Die 480 Schafe und 40 Ziegen haben den riesigen Stall bereits verlassen und stehen eng zusammengedrängt im Gatter. So wie es sich hier dastellt glaubt kaum jemand, dass das 520 Tiere sind - nachher unterwegs wird uns allerdings dieses gewaltige Ausmaß der Herde deutlich. Jürgen kennzeichnet noch einige Jungtiere mit Ohrmarken, dann öffnet er das Gatter und die Herde geht wie von Geisterhand gelenkt los.

Ich hatte mir das eher so vorgestellt, dass der Schäfer vorangeht und die Hütehunde die Tiere zusammenhalten. Hier ist es so, dass die Tiere wissen wo es lecker was zu fressen gibt, in diesem Fall Eicheln. Davon haben wir ja in diesem Jahr reichlich viele. Die Herde ist echt flott unterwegs, die ersten 2 Stunden geht's recht zügig voran in Richtung Undeloh. Jürgen ist echt ein Unikat, ein irrer Typ: was er alles zu erzählen hat und wie seine Wortwahl dabei ist, ist schon einzigartig und bestimmt nicht für jedes Frauenohr geeignet. Ein Beispiel: "da hat die Alte abgelammt und die Gören großgezogen"... Was für ein besonderes Erlebnis mit einem Schäfer unterwegs zu sein. Susanne war Morgens eher skeptisch und hatte eher gedacht nach einer Weile wieder umzukehren, wir sind aber den ganzen Tag mit Jürgen unterwegs. Obwohl die Schäfer behaupten, Heidschnucken seinen viel hibbeliger als Schafe, haben wir den Eindruck, das die Tiere sowas von entspannt, friedlich und gar nicht so scheu wie uns vorhergesagt sind. Ich bin ja oft mitten drin in der Herde um dieses einzigartige Erlebnis auf Bild und Film festzuhalten. Immer wieder kommen Tiere an und beschnuppern mich, sie bekommen dann ne Krauleinheit, und weiter geht's mit ihrer Lieblingsbeschäftigkeit - dem fressen. Schon erstaunlich was die Tiere den Tag über verzehren. Schafe sollen schlechte Futterverwerter sein, deshalb müssen sie auch so viel fressen. Wie toll ist das die Tiere und ihr Verhalten zu beobachten. Die Ziegen stellen sich des Öfteren auf ihre Hinterbeine, um an die schmackhaften Blätter an den Bäumen heranzukommen, ein lustiges Schauspiel...

Wenige hundert Meter vor Undeloh trennen wir uns für ein Stündchen, Susanne und ich stärken uns mit Wurst, Pommes & lecker Eis. Wir gehen den Weg zurück um Jürgen und die Herde wieder einzuholen. Was für ein herrliches Bild bietet sich uns nach ca. 1 Kilometer. Da liegen fast alle Tiere ganz friedlich und entspannt am Wegesrand und im angrenzenden Wald. Was für ein wunderschönes Bild. Wir entdecken Jürgen erst gar nicht, dachten er liegt da irgendwo dazwischen, bis wir ihn weit ab entdecken: er telefoniert mal wieder... geschäftlich... Wir können uns einfach nicht satt sehen, die Schnucken sind eh wunderschöne Tiere, das verschiedenfarbige Fell, die langen Bärte der Ziegen, wir sind einfach nur begeistert... Wenn ich nicht schon Hühnerflüsterer im Rentenalter wäre, würde ich jetzt umschulen...

Mit der Herde unterwegs

Heute schauen wir uns das Heidemuseum hier in Wilsede an. Ein Bauernhaus, eingerichtet wie um 1900. Ganz interessant, auch die Fotoausstellung der heimischen Flora & Fauna in einem der Nachbarhäuser. Noch interessanter ist allerdings die Geschichte um das Anwesen einer reichen Unternehmerfamilie aus Hamburg, die seit Begin des 19. Jahrhundert ihr Geld mit Schiffsfarben gemacht hat, und hier in Wilsede ein recht großes Waldgrundstück besitzt. Das darauf befindliche winzig kleine Fachwerkhäuschen wurde "zur Zeit der Not", wie es auf einer Inschrift auf der massiven Eichentür zu lesen ist, 1923 errichtet (die Not mussten wohl Millionen anderer Menschen erleiden, an dem Gebäude wurde augenscheinlich nicht gespart!). Zwischen alten Bäumen und Hinkelsteinen gut versteckt befindet sich sogar eine Familiengruft, die das Ausmaß des kleinen Häuschen wahrscheinlich überbietet. Unfassbar, wie haben die denn bei unserem strengen Beerdigungsrecht hier einen Genehmigung für eine solche aufwendig erstellte Gruft bekommen? Bestimmt mit Beziehungen und Geld....

Nachmittags radeln wir zu einem ca. 10 Kilometer entfernten Lost Place, eine ehemalige Lungenklinik. Das komplette Gelände ist allerdings völlig abgerockt, zerstört, rein gar nichts Sehenswertes ist mehr vorhanden. Der Rückweg durch Wald & Heide ist bei der Abendsonne allerdings wunderschön anzuschauen. In Undeloh genehmigen wir uns noch ne Wurst mit Pommes...

Heidemuseum, Gruft, Lost Place

Wir bleiben doch noch einen Tag länger als geplant, ver- & entsorgen das WOMI, duschen schön, danach mach ich mich auf die Suche nach einem der beiden Schäfer. Leider ohne Erfolg, war aber ne schöne Tour, was haben wir für ein Glück, wieder wunderschön blauer Himmel... Nachmittags gibt's wie immer Espresso, Kerstin hat mal etwas mehr Zeit um sich mit uns zu unterhalten. Spätnachmittags stoßen wir nochmals zu Jürgen und seiner Herde. Ich begleite sie dann wieder in den Stall, Susanne bereitet derweil ein leckeres Abendessen für uns alle vor. Wenn die Herde am Stall angekommen ist und alle Tiere satt sind, verhalten sie sich zum Teil ganz anders als tagsüber. Ist echt schön anzuschauen wie sie miteinander raufen oder auch mal kuscheln. Die Ziegen sind immer die letzten die in den Stall gehen. Sie suchen dann eher den Kontakt zu Menschen, lassen sich kraulen, schauen ob sie nicht was essbares aus der Hosentasche zupfen können. Was sind die Tiere cool, zugleich wunderschön und Charakter auch echt klasse. Werde bestimmt wiederkommen, vielleicht mit Alina, sie hätte bestimmt auch total spaß daran...

Nochmals bei der Herde

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