Vacation 06/2018 - Tschechien - Ghost Church - Gebeinhäuser - Lost Places - Alina und Joe

Hier schließ nun der Reisebericht Tschechien - Ghost Church & Gebeinhäuser an den Bericht vom Urlaub im Elbsandsteingebirge & Dresden an. Susanne & Alina haben in Dreden die Plätze im WOMI getauscht, auf geht's zur Foto & Filmtour nach Tschechien. Im Bio-Supermarkt im Bahnhof deckt sich Alina erst einmal mit Lebensmitteln ein, ist ja nicht so einfach mit ihrer Histaminintolleranz das Richtige zu finden. Mit reichlich Gepäck schieben wir mit dem Fahrrad zum WOMI. Beim Vorrübergehen zeige ich Alina die drei vergoldeten Figuren im Park am Stellplatz, der erste Dreh ist gebongt. Wir kommen erst gegen 21:00 Uhr los, das Navi sorgt mit einer Fahrtroute quer durch Tschechiens Hinterland dafür, das wir wir erst um 01:00 Uhr vor der Ghost Church stehen und dort übernachten. Natürlich nicht ohne zuvor einen Blick auf das weltbeckannte Objekt zu werfen. Angestrahlt von meiner Taschenlampe und unter einem voll klaren, beeindruckendem Sternenhimmel bietet die Ghost Church ein erstes Gänsehaut-Feeling.

Es sollte mehr oder weniger auch das Einzige bleiben. Leider hat sich die Ghost Church nach meinem letzten Besuch in einen ungepflegten Touristenmagneten verwandelt. Kurz nachdem Petr Koukl um 13:00 Uhr die Kirche geöffnet hat kommen auch schon die Besucher, mal mit dem Mountainbike, dann wieder 3 Pärchen mit riesigen Trikes. Alina und ich orientieren uns erst einmal, wir wollen ja etlich Videoklips drehen, schauen nach geeigneten Positionen. Als wir auf der ehemaligen Orgelempore hinunter in die Kirche schauen traue ich meinen Augen kaum. Da ist wohl ein ganze Reisebus mit Rentnern eingetroffen, ein Gewusel wie auf nem Jahrmarkt. Mir kommen fast die Tränen und auch die Geister nehmen entsetzt reisaus. Das hat nichts mehr mit der Ghost Church zu tun wie sie vor Jahren war, zudem sind die Hüllen der Geister durch die Dacherneuerung arg verstaubt, auch die Bänke und Ecken sehen echt traurig aus. Schade, schade....

Anyhow, wir fotographieren & filmen so gut wie bei diesem Trubel geht, auch auf dem kleinen Friedhof filmen wir einige Szenen. Gegen 16:00 Uhr ist das Spektakel dann vorbei, weiter geht's nach Mělník auf einen Campingplatz.

Auf zur Ghost Church...

Haben gleich 2 Tage gebucht, wäre ansonsten wohl zeitlich nicht zu bewärkstelligen gewesen. Eine gute Entscheidung wird sich zeigen: wir chillen ausgiebieg, unterhalten uns voll schön und können echt entspannt den Besuch der St. Peter und Paul Kirche und des Gebeinhauses planen. Beides liegt neben dem Mělníker Schloss gut sichtbar auf einem Hügel. An der imposanten Kirche, die zu den ältesten Kirchen Böhmens gehört, fällt unser Blick gleich auf einen Eingang, der in ein Kellergewölbe hinabführt. Das muss es sein!

Eine schmale, knarrende Holztreppe führt uns hinab in ein dunkles Kellergewölbe, wo eine älter Dame in dem engen Eingangsbereich sitzt und das Eintrittsgeld kassiert. Zu unseren erschrecken ist fotographieren & filmen streng verboten. Scheiße, was machen wir denn jetzt? Beim Eintreten in den Gewölbekeller erschleicht sich bei mir schon ein mulmiges Gefühl, hier sind die Gebeine von schätzungsweise 10.000 bis 15.000 Menschen vom Anthropologe Prof. Jindrich Matiegka aufgeschichtet worden, nachdem er zuvor eine wissenschaftliche Arbeit über Herkunft und Gesundheitszustand der Verstorbenen erstellt hatte. Da außer uns nur ein weiterer Besucher hier ist halte ich meine Kamera dezent versteckt in hüfthöhe und drücke den Auslöser. Ich filme Alina, wie sie langsam durch den Raum schreitet, sich den Wänden aus Gebeinen nähert, ja sogar den ein oder anderen Schädel berührt. Da ist sie nicht die Erste, einige Schädel erscheinen regelrecht wie blank poliert herraus aus den Gebeinmauern, die überwiegend aus Oberschenkelknochen aufgeschichtet sind. Ich berühre hier nichts, anschauen ist o.k., mehr aber nicht. Im Hintergrund laufen mal auf Deutsch, meistens auf Tschechisch Informationen und Musiksequenzen, die dem Ganzen eine noch bizarrere Athmosphäre liefert. Und da steht sie plötzlich die ältere Dame vom Eingang und scheddert auf Tschechisch auf uns los was das denn solle hier zu fotographieren, sie deutet auf die Tafeln mit dem rot durchstrichenem Fotoapparat hin und verpasst uns eine heftige Standpauke. Mit gesenktem Haupt verlassen wir kommentarlos die Ort.... Puh, erstmal durchatmen.....

Nach einer Weile gehen wir in die St. Peter und Paul Kirche, welche aus romanischen & gotischen Baustilenentstanden ist, wertvolle Freskogemälde sind im Original zu sehen. Hier dürfen wir fotographieren gibt uns ein Dame des Gotteshauses zu verstehen, die sich später eine ganze Weile mit einer Bekannten im Seitenschiff unterhält. Die schiebt doch glatt ein Fahrrad mit sich herum. Hallo??? was geht denn hier ab? Mein schlechtes Gewissen beruhigt sich im Anblick dieser Szene und so filmen wir auch hier ein wenig...

Auf dem Rückweg gibt's lecker Eis, wir chillen unter der Markiese vom WOMI, lassen ein Gewitterschauer über uns hinwegziehen, gehen Abends im nahgelegenen Supermarkt einkaufen und beenden einen schönen, entspannten Urlaubstag. Echt schön mit Alina, wir verstehn uns voll gut, reden viel und haben uns lieb!!!

St. Peter und Paul Kirche - Gebeinhaus

Weiter geht's zur ca. 100 km entfernten Allerheiligen-Friedhofskapelle Kutná Hora mit einem ganz bedeutenden Gebeinhaus. Auf Google Maps habe ich gesehen, dass es auf dem Weg dorthin anscheinend ein verlassenes Militärgelände gibt. Irgendwie ist es aber nicht aufgetaucht, anyhow, wir erreichen Kutná Hora nach einer entspannten Fahrt, auch ein großzügig angelegter Parkplatz vor dem Dom finden wir wie in unseren Recherchen ausgemacht. Der Weg zum Gebeinhaus ist nicht schwer auszumachen, scheint wohl ein echter Touristenmagnet zu sein. Japanische Reisegesellschaften erscheinen im halbstundentackt, wie bekannt halten sie sich aber nicht all zulange an einer Sehenswürdigkeit auf, sondern steuern alsbald die Nächste an.

Die Allerheiligenkirche liegt auf einem kleinen Friedhof und ist zum Teil eingerüstet und mit Planen abgedeckt. Bei Sicherungsarbeiten am Fundament tauchen bis in eine Tiefe von 2 - 3 Metern Gebeine auf, farbig Nummeriert, eine richtige archäologische Ausgrabungsstädte. Ein heller, breiter Eingangsbereich gibt den Blick hinab ins Gebeinhaus frei und zeigt uns Gebein-Dekorationen in unterschiedlichsten Formen, wo wir auch nur hinschauen. Wie finde ich das denn, frage ich mich bei diesem Anblick einwenig irritiert? Klar, bin da nicht so zart beseitet, find es auch krass & mystisch wie Alina immer so schön sagt. Frantisek Rint, der diese weltweit einmalige Dekoration gestaltet hat, ist der Meinung, dass sein Werk den Besuchern demonstriert.....

Wir dürfen hier ohne Blitzlicht fotographieren und filmen, wir lassen uns Zeit um all die Details zu entdecken, es braucht auch einfach Ruhe um sich hier zu bewegen - kein normaler Ort halt... Ist schon abgedreht was hier zu sehen ist. Ich filme Alina in ihrem hübschen, schwarzen Kleid vor etlichen unterschiedlichen Bereichen desr recht großen Kellergewölbes. Bin gespannt was Alina aus dem ganzen Material zusammenschneidet.

Irgendwann ist es genug, wir verlassen den Ort der Gebeine und gehen erstmal im Restaurant am Parkplatz essen. Wir entscheiden uns zurück nach Deutschland zu fahren, haben hier in Tschechien keine Adressen von interessanten Lost Places bekommen. In Pirna hatte ich ja ein verlassenes Krankhaus ausfindig gemacht, auch auf dem Sonnenstein-Gelände gab's ein leerstehendes Gebäude. Beides erkunden wir nach Ankunft in Pirna auch, das Krankenhaus ist aber heftigs abgerockt, sodass wir uns mehr Zeit im Sonnenstein-Gebäude nehmen. Dort auf einem Parkplatz verbringen wir die Nacht....

Allerheiligen-Friedhofskapelle Kutná Hora - Gebeinhaus

Gegen 06:30 Uhr werde ich wach, immer wieder fahren Autos auf den Parkplatz auf dem wir stehen. Der gehört anscheinen zum Klinikgelände, die Beschäftigten kommen zur Arbeit. Wir verschwinden von hier und parken auf einem Netto Parkplatz gegenüber dem alten Krankenhaus. Ich schreibe am Reiseberich, kaufe Getränke ein, Alina wird langsam munter. Am Bahnhof soll eine leerstehende Fabrikhalle sein, ganz coole Graphitties im Inneren laden als Hintergrund für Filmaufnahmen ein. Meine neue Steadycam erweist sich als recht gut, ich werde immer geübter im Umgang.

Weiter geht's in die Prozellanmetropole Meißen. Am Elbeufer parken wir, ich hau mich auf's Ohr während Alina die Altstadt erkundet. Gefühlt steht hier jedes 10 Haus leer. Durch einige Hochwasser ist hier wohl einiges zerstört worden, die Feuchtigkeit hat zudem den Rest erledigt, Schimmel, kaum zu begehen diese Objekte. Ein altes Krankenhaus erkundet Alina alleine, hatte dort einen größeren Brand gegeben, solche Spuren, oft von Vandalen ausgelöst, sehen wir immer wieder. Idioten!!! Weiter geht's in Richtung Leipzig, echt schwierig mal eben geile Locations zu finden. Unsere Vorbereitungen und Absprachen waren wohl nicht all zu gut. Hatten uns auf meinen Bekannten aus Tschechien verlassen, er wollte uns ja dort Adressen von Lost Places besorgen - nicht eine haben wir bekommen....

Fabrik in Pirna

Wir haben an einem kleinen Badesee übernachtet, war voll ruhig die Nacht dort. Heute geht's kreuz & quer durch Leipzig, puh, was ist die Stadt in einigen Teilen abgefuckt, ein Molloch aus heruntergekommenen Straßenzügen, wie kann man hier leben. Ich erkunde erstmal den Südfriedhof, riesig groß - eine Friedhofsangestellte führt mich sogar in die riesigen Trauerhallen. Das Krematorium ist kein Lost Place sondern noch in Betrieb. Die Dame hat selbst 20 Jahre darin gearbeitet und mir ausführlich davon erzählt. Fast wäre ich sogar hineingekommen, der Chef des Ganzen hatte aber was dagegen... War dann noch am Grab von Franz Mansur, dem Dirigenten des Leipziger Gewandhaus Orchesters. Dann ging's halt weiter, unglaublich wie viele Fabrikhallen und Wohnhäuser hier abbruchreif rumstehen. In Halle sieht es nicht viel anders aus, mir vergeht langsam die Lust auf diese Art der Lost Places. Hab dafür einfach schon zu viele richtig geile Sachen gesehen.

Planen langsam den Rückweg, der uns entlang des Harzes führt. Alina war in dem Schloß Kotz, einem ehemaligen Altenheim für besser betuchte. War ganz cool dort, nur zu wenig Licht - sie hätte meine Taschenlampe gebrauchen können. Wir übernachten in Wernigerode, ganz ruhig hier. Hier sollen einige Lost Hotels sein, wir schauen mal was zu finden ist

The rest is the best...

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