Vacation 09/2017 - Holland - Delft - Den Haag - Amsterdam - Susanne und Joe

War ganz schön viel los die letzten Wochen. Der Laakenhof und der Interkulturelle Garten mussten für ihre Sommerfeste herausgeputzt werden, ich habe Jorge Hidalgo über zwei Wochen bei der künstlerischen Gestaltung des Bauwagens im interkulturellen Garten begleitet, ich hatte Geburtstag und hab einmal mit Freunden und ein weiteres Mal mit der Familie gefeiert, war also nicht langweilig gewesen. Susanne muss ja immer recht frühzeitig ihren gesamten Urlaub ihrem Dienstherren, sprich, dem St. Josef Stift mitteilen, so haben wir jetzt 10 Tage Urlaub und haben uns für unser direktes Nachbarland Holland entschieden. Ich selbst war noch nie in Amsterdam gewesen, auch Den Haag soll sehr interessant sein. Und das Meer ist zudem ganz in der Nähe dieser beiden Städte, dass regnerische Wetter der letzten Wochen jat sich verabschiedet, also los geht's mit unserem WOMI. Familie Smolski sind jetzt zu 50% Mitbesitzer des WOMI's, also halbe Kosten und doppelter Spaß für uns....

Diesmal hab ich mich kaum vorbereitet. Zwei Campingplätze habe ich rausgesucht, Stellplätze so wie wir das in Deutschland kennen gibt es in unserem Nachbarland nicht. Gemütlich geht es gegen Mittag los, während der 300 Kilometer hab ich nicht eine kleine Steigung passieren müssen - nur plattes Land - konnten schon hinter Bocholt am Horizont da Meer sehen...hahaha. Der Verkehr schleppte sich recht zäh an den Großstädten Utrecht & Rotterdam vorbei, gegen 18:00 Uhr waren wir an dem Campingplatz in Delft. Alle Plätze auf dem Platz waren zu unserem erstaunen belegt oder reserviert, so mussten wir uns mit eine Bucht auf dem gepflasterten, nicht ganz so schönen Bereich vor dem Eingang zum Platz zufrieden geben (und das für 18 €...). Naja, wir buchen erstmal zwei Übernachtungen und schauen, was uns hier in Delft und dem Nahe gelegenen Den Haag erwartet.

Es geht los...

Mit frischen Brötchen & Croissants starten wir in den Tag. Entgegen dem Wetterbericht ist es leicht am nieseln, irgendwie bin ich nach dem Frühstück schon wieder müde, so mach ich nochmal ein kleines Nickerchen. Gegen Mittag klart es sich auf, so gehen Susanne und ich in die nur 1 km entfernte Delft-City. Überall Grachten, kleine und größere Kanäle sind überall zu entdecken. Von Anfang an erschließt sich uns ein recht gemütliches Flair, Fahrräder, Blumen, Wandmalereien, interessante Lädchen mit noch interessanten Auslagen, Blumenläden mit, wer hätte es anders erwartet, Tulpenzwiebeln, die allerlei unterschiedliche Farben & Formen von Tulpen hervorbringen.

Delft City...

Eine riesig große Kirche mit noch höherem Kirchenturm steht als erstes auf dem Plan, man könnte auch sagen im Weg, also gehen wir auch rein. Die Eintrittkarte gilt gleich noch für die ältere Kirche, unweit entfernt von dieser recht imposanten neueren Kirche. Achja, und einen Gutschein für ne Tasse Kaffee in einem Laden, wo es neben Klamotten auch Essen gibt, beinhaltete das Eintrittsgeld von 5 € zudem. Die Kirche wird gerade umfassend renoviert, sie, wie auch die ältere Ausführung hat eher einen Museumscharakter als ein Ort der Andacht und des Gebets. Es ist kein Altar zu finden, eine Kanzel und beeinträchtigenden Orgeln sind zu finden, auf zahlreichen Schautafeln wird die Geschichte über Entstehung, über Künstler und adeliges Volk, die hier zu Scharen beigesetzt sind, erzählt. Schade, meinem Drang nach einem Selfie hinterm Altar oder von der Kanzel der mich in Kirchen, Kapellen & Kathedralen immer wieder packt, kann ich diesmal nicht nachgehen - zu viele Besucher tummeln sich hier herum.

Alte & neue Kirche

Dafür mache ich aber beim Fotoshooting zweier Brautpaare, die sich vor dem imposanten Rathaus und vor noch imposanteren Karossen das Ja-Wort gegeben haben, mit. Wow, Excalibur steht auf dem fein herausgeputztem Schlitten, Susanne macht sich hervorragend als Fotomodel und hat große Chancen, auf einem Jahreskalender 2018 für Oltimerfreunde zu landen!!! Wir lassen uns erstmal vor einer Eisdiele nieder, die Auswahl leckerster Eissorten verlangt uns einiges ab. Wir genießen den weitläufigen Blick über den riesigen Marktplatz, zur Rechten die Kirche, links das Rathaus, wo sich die Brautpaare die Klinke in die Hand geben. Muss gerade an den "Roten Platz" in Moskau denken, obwohl, der war noch viel größer als dieser hier....

Just married...

Weiter geht's durch die schönen Einkaufsstrassen, die allesamt von den Grachten begrenzt sind. Ein echt schönes, buntes Treiben hier. Susanne kauft sich in einem der zahlreichen "Fietzenläden" einen Regenanzug, ich bin begeistert, als ich einen CD & Plattenladen entdecke, der sage- und schreibe 70.000 LP's vorrätig hat. Mir schießen die Bilder von Früher in den Kopf, als es noch keine CD's gab, und wir immer wieder in Plattenläden uns mit den neuesten Werken unserer Lieblingsbands eingedeckt haben. Nach dem Gratiskaffee im Klamottenladen gibt es Fish & Chips, danach schlendern wir gemütlich zurück zum WOMI.

Just married...

Heute ist ein Ausflug zum Meer geplant. Ich hole im recht gut ausgestatteten Geschäft frische Brötchen, verlängere an der angegliederten Rezeption unseren Aufenthalt um zwei weitere Tage und hole uns gleich Fahrkarten für die Tram, scheint uns die einfachste Lösung zu sein um über Den Haag nach Scheveningen zu kommen. Ganz interessant, die Eindrücke von Stadt und Menschen während der knapp einstündigen Fahrt mit der gemächlich daher fahrenden Tram aufzunehmen.

Kaum sind wir in Sichtweite der Strandpromenade ausgestiegen, hält doch glatt vor uns ein Auto, ein Brautpaar steigt aus, um am Strand ein Fotoshooting zu absolvieren. Ich werd' später auch mal den Auslöser drücken, echt sehr professionell, wie die beiden Kamerafrauen das Shooting gestalten.

Ist ja echt krass hier: unzählige Bars, Restaurants und Animationsflächen reihen sich aneinander. In größt möglichem Abstand beschäftigen wir uns erstmal mit der Muschelsuche und dem Verzehren unseres Reiseproviants. Gigantisch erscheint uns schon vom Weiten die riesige Seebrücke, die neben unzähligen Lädchen und Restaurants gar ein Riesenrad und eine Bungeeanlage beherbergt. Schöner ist der Anblick zahlreicher Drachen, die teilweise recht mühsam bei lauem Lüftchen im Himmel umhertanzen.

Die seichte Brandung spült immer wieder Quallen an den Strand, blau und hellbraune Exemplare bieten mir interessante Fotoobjekte. Wär hätte das gedacht, dass wir Ende September bei herrlichstem Sonnenschein Badeurlaub in Holland an der Nordsee machen können. Der Klimawandel ist da!!!

Seaside

Heute radeln wir einfach mal los und schauen uns die nähere Umgebung an. Vielleicht hätten wir diese Aktion auf einen anderen Werktag legen sollen - es sind bei dem schönen Wetter etliche Sonntagsausflügler mit der Fietz unterwegs. Radwege gibt es ja reichlich, überhaupt, ist schon irre wie dieses Verkehrsnetz hier in Holland aufgebaut ist. Zweispurige Radwege sind getrennt von der Verkehrsstrasse, lediglich Anwohner können auf diesen Wegen ihre Parkbuchten, oft direkt an den Grachten gelegen, benutzen. Wow, echt klasse!!! In der Stadt führen diese Radwege direkt an den Wohnhäusern vorbei, wir haben also bei der offenen Bauweise direkten Einblick in Wohnraum oder Küche. Etliche Leute sitzen zudem direkt vor der Haustür, genießen die Sonne und nicht selten ein Glas Wein...

Außerhalb gelangen wir in ein riesiges Gebiet, wo sich ein Mega-Gewächshaus an das andere reiht. Mal werden Orchideen oder andere Topfpflanzen herangezogen, mal Zucchini, wir entdecken ein riesen Gewächshaus voll mit weißen Rosen. Unglaublich!!!! Zehntausende weiße Rosen..... Echt krass!!!! Selbst in einer Schrebergartensiedlung steht ein Minigewächshaus neben dem anderen - wir lachen uns schlapp - schon ein lustiges Völkchen die Holländer...hahaha.

View around

Heute geht's weiter nach Amsterdam. Bei der Vorbereitung unser Urlaubsfahrt habe ich einen Lost Place herausgesucht, der auf der Strecke von Delft nach Amsterdam liegt. Kaum 30 km gefahren befindet sich diese ehemalige Keramikfabrik gut erreichbar an einer Landstrasse hinter einem neueren Industriegebiet. Wir können dort gut parken, Susanne steht schmiere und ich suche nach einem Eingang auf das in Sichtweite liegende Fabrikgelände. Das große Eingangstor ist an einer Stelle aufgebogen und ich kann durchschlüpfen. Der Weg führt allerdings durch eine nasse Wiese ins Nichts, zudem ist rechts, da wo sich die Fabrik befindet, wie nicht anders zu erwarten (wir sind ja in Holland) eine Wasserstrasse. Also wieder zurück zur Strasse und ab über einen Jägerzaun in einen Hühnerhof, der zu dem angrenzenden Wohnhaus gehört. Viel Angst und Bedenken erwischt zu werden darf man als Urbexer nicht haben.... Die Hühner haben Spaß an dem überraschendem Besuch und folgen mir aufs Betriebsgelände. Wow, da hab ich ja ohne allzu große Vorabrecherche ein cooles Objekt gefunden. Ein Jahreskalender im Bürotrackt weißt auf das Jahr 2002 hin, hier hat sich also seit gut 15 Jahren kein Rad mehr gedreht. Vandalismus ist außer im Büro in den Werkshallen nicht zu erkennen. Die alte Schlosserei begeistert mich ganz besonders, zudem wurden hier neben der Produktion von Dachziegeln auch eine kleine Stückzahl von Tonvasen in einem der 6 großen Brennöfen hergestellt. Zwischendurch ruft Susanne mich auf dem Handy an, sie macht sich einwenig Sorgen ob alles gut geht. Naklar geht alles gut, und wenn nicht dann eben nicht. Möchte nicht irgendwann mal im Altenheim sitzen und bei der Frage "was hast du denn in den letzten zwanzig Jahren so gemacht" antworten müssen: "hab aufm Sofa gesessen, Fernsehn geschaut und mir den Wanst vollgestopft".

Lost Place

Echt klasse der Campingplatz, auf dem wir uns für die nächsten Tage einquatiert haben. Ein recht großer Park und ein See schließen sich direkt dem Gelände an, haben gestern Nachmittag den 5 km langen Rundweg um den See bei herlichem Sonnenschein voll genossen. Echt krass war die Canabisplantage auf einem Balkon eines Mehrfamilienhauses entlang unserer Route. Wie gesagt, cooles Völkchen die Holländer. Auch haben Sie dem rechtsradikalen Wilders bei der letzten Parlamentswahl nicht annähernd so viele Stimmen gegeben wie die Prognosen vorausgesagt haben. Zum kotzen wie stark die AFD bei den Bundestagswahlen letzten Sonntag in Deutschland abgeschnitten hat..

Gaasper Camping

Heute fahren wir mit der U-Bahn ins Zentrum von Amsterdam. Wir sind erstaunt, auf was für eine riesige Fläche sich Amsterdam ausdehnt. Im Zentrum angekommen gehen wir erst einmal rüber zum imposanten Bahnhofsgebäude, an dessen Rückseite sich ein großer Binnenhafen befindet. Was für ein quirliges Treiben findet hier statt. Fahrradfahrer sind hier eindeutlich in der Mehrheit. Auch hier überall die breiten, zweispurigen, rot-geteerten Fahrradwege - mit dem Rad ist man hier eindeutig schneller unterwegs als mit Auto oder Tram. Susanne kommt indess freudestrahlend von der Toilette zurück, hat sie sich doch gleich 2 Wuscher (Voucher) ergattert (bekommt man ja immer, wenn man für die Nutzung von Toiletten bezahlen muss...).

Juhuuuu, gleich 2 Wuscher (Voucher) ergattert

In Sichtweite liegt die Basilica Nicolai, wir sind ein weiteres Mal erstaunt über die Pracht und Größe. Der Weg führt uns durch zahlreiche Gassen, vorbei an Grachten, bunten Läden, Restaurants auf einen riesigen Platz, auf dem den Touries allerlei Spektakel geboten wird. Wir halten uns hier aber nicht all zulange auf, wir sind auf der Suche nach einem Indischen Restaurant. Die Suche führt uns allerdings straightaway ins Rotlichtviertel, wo bereits jetzt zur Mittagszeit vereinzelt leicht bekleidet Damen des Horizontalem Gewerbes in ihren kleinen schaufenstergleichen Kabienen sitzen. Als wir auf eine weitere Kirche zulaufen meinte Susanne: "lass uns lieber wieder in eine Kirche gehen"... Die Suche nach einem Indischen Restaurant erweist sich als Geduldsprobe und verläuft auch ohne Erfolg. Leicht genervt entscheiden wir uns für ein Argentinisches Steakhaus, Spareribs stehen auf der Speisekarte. Ganz lecker und ganz nett in dem kleinen Restaurant - wir entspannen wieder und setzen unsere Sightseeingtour weiter fort.

Zum Glück entscheiden wir uns irgendwann an einer Bootsrundfahrt durch die Grachten teilzunehmen. Ist einfach sinnlos und zu anstrengend einfach aufs geradewohl durch die Stadt zu laufen. Bei 'nem Gratiskaffee & Vino genießen wir diese 1-stündige Rundfahrt und erhalten einen interessanten Einblick und Infos über die ehemals größte Hafenstadt der Welt. Fast alle Häuser im Zentrum stammen aus dem siebzehnten Jahrhundert, teils windschief auf Grund der hölzernen Pfahlbauweise reihen sie sich dicht an dicht aneinander. 6 Britische junge Frauen nutzen das Angebot der kostenlosen Getränke voll aus und geben sich die Kante. Sie Gackern lautstark herum, schießen ein Selfie nach dem anderen und lachen sich erneut schlapp über die gelungenen Aufnahmen. Von der Stadt haben sie bestimmt nicht viel mitbekommen....

Unser Vorhaben den Park am Van Goch Museum zu besuchen brechen wir nach einiger Zeit ab, ich mache schlapp, mein Rücken tut mir weh, auch kann ich dieses geschäftige Großstadttreiben nicht genießen. Wir machen uns also auf den Rückweg zur U-Bahn und fahren zurück zum Campingplatz.....

Sightseeing in Amsterdam

Was haben wir nach der anstrengenden Sightseeingtour durch Amsterdam gut geschlafen. Das Wetter soll heute erst ab Mittag sonnig und freundlicher werden, so frühstücken wir ausgiebig, Susanne geht dann Duschen und ich sortiere die Fotos aus und arbeite weiter am Reisebericht. Puh, auch das ist anstrengend, so mach ich gleich noch ein Mittagsschläfchen, bevor wir uns mit den Fahrrädern auf den Weg machen. Wir radeln in Richtung Meer, passieren dabei einige nette Dörfer, schicke Windmühlen und Grachten, Flüsse und wieder Grachten. Die Radwege faszinieren uns immer wieder, nur die Beschilderung könnte besser sein. Nicht einfach ohne Plan sein Ziel zu erreichen. In Muiden liegt das imposante Schloss Muiderslot unmittelbar vor dem großen Jachthafen, indem etliche größere, hölzerne Segelschiffe liegen. Nach nem Eis gehen wir ein kurzes Stück weiter zu einer kleinen Sandbucht, Susanne hat voll Spaß durchs seichte Wasser zu warten. Zeit zum relaxen und zum lesen, bevor wir am Deich entlang wieder zurück radeln.

Radtour zum Meer - Muiden

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