Vacation 06/2017 - Englands Süden - Redfield - Lost Places - Cemeteries - Susanne und Joe

Was für eine turbulente Zeit liegt da hinter mir.... "Halt, stopp", mögen jetzt diejenigen unter euch denken, die meinen letztjährigen Reisebericht über unseren Urlaub in Bayern gelesen haben. Ist Joe nicht damals auch so angefangen? In der Tat, ihr habt recht. Es entspricht aber der Wahrheit: ich bin ein zweites Mal an der Bandscheibe operiert worden, war wieder in der Reha in Bad Sassendorf, habe zig Arztbesuche hinter mir, ein Antrag auf Erwerbsminderungsrente läuft, ich werde im Juli von der Krankenkasse ausgesteuert weil ich seit 18 Monaten wegen denselben Beschwerden krankgeschrieben war, also, um's mal flapsig auszudrücken: mir war nicht langweilig in den letzten Monaten. Bedingt durch meine lange Krankengeschichte sah es zudem auch finanziell nicht so rosig aus und wir haben überlegt, ob wir überhaupt nach England fahren sollen. Wir fahren, aber nicht bis nach Cornwall, dieser ganz im Südwesten gelegenen, überaus reizvollen Region.

Natürlich haben wir (eigentlich überwiegend ich... ) uns gut vorbereitet. Wir haben beim WOMO Verlag wieder eine Reiselektüre für WOMI-Urlauber gekauft und die ersten Etappen detailliert geplant. Die Tickets für die Fähre habe ich online gebucht und entsprechende Unterlagen ausgedruckt. War echt easy und unkompliziert...., klasse!!! Perfekt war auch die Tatsache, dass Christiane und Chris vor 4 Wochen in Beckum zu Besuch waren. Wir konnten so unseren Besuch bei den Beiden in Redfield absprechen und sogar schon einige Ausflüge planen. Ich werde zusammen mit Chris den Highgate Cemetery Friedhof in London besuchen, auch einige Lost Places wollen wir zusammen erkunden (mehr dazu später....). Sogar Kleingeld für diverse Parkautomaten haben die Beiden uns mitgebracht, es kann also losgehen. Juhuuuuuuu, wir freuen uns riesig auf Urlaub, Sonnenschein und Abenteuer!!!!

Da wir ja 3 Wochen Urlaub haben geht's Samstagmorgen ganz entspannt los. Freitagnachmittag haben Victor, Nina & Vini uns das WOMI zurück gebracht. Sie waren zum Einen einige Tage auf dem Nürburgring und zum Anderen war Victor im HeyDay Studio in Wuppertal, wo er eine neue ALMANAC CD produziert und einspielt. Familie Smolski will sich an unserem WOMI beteiligen, sie lieben es so wie wir damit unterwegs zu sein, so können wir uns die Kosten teilen und die Abenteuer genießen.

Hat bestens geklappt alles einzupacken: Klamotten, Lebensmittel, Reiselektüre, Tickets und Multimediautensilien. Ich hab mich ein wenig über die Menge an Hemden, Hosen, Röcken und T-Shirts amüsiert die Susi mitnehmen will. Umgehauen hat's mich allerdings als ich gesehen habe, dass ihr Kleiderschrank noch immer rappelvoll war.... Bis auf unser Romespiel haben wir nichts vergessen, es geht also los. Wir fahren ja bis nach Dünkirchen, von wo aus wir die Fähre nach Dover nehmen, eine ganze Strecke durch Belgien. Warum nicht einige Lost Places erkunden die an der Strecke liegen hab ich mir bei der Planung gedacht. Gesagt, getan: hab mir einige Adressen von herrschaftlichen Chateaus herausgesucht, die ersten zwei imposanten Anwesen in Gent waren allerdings wieder bewohnt. Zu unserer großen Überraschung sind wir in der Nähe von Chateau Chapelle auf den Wallfahrtsort Lourdes gestoßen. Wir waren schon reichlich verwirrt die Grotte mit der Marienstatue hier in Belgien zu finden. Lag Lourdes nicht in Holland??? Wie auch immer, war ein interessanter Ausgleich für die misslungene Lost Places Tour am ersten Urlaubstag. Wir übernachten auf einem ruhigen Stellplatz an einem Kanal.

Es geht los...

Gut haben wir geschlafen, war schön ruhig. Nach einem leckeren Frühstück spazieren wir am Kanal entlang, Susanne entdeckt direkt ne Schildkröte, die sich auf einem im Wasser treibenden Baumstamm sonnt. Als ich ihr beim Sonnenbad aber mit meiner Kamera zu nahe komme, macht sie nen Köpper ins trübe Nass und schwimmt dahin.... An der Entsorgungsstation reinigen wir unseren Abwassertank, die Füllstandsanzeige schien nicht ganz in Ordnung zu sein, wir haben den Frischwassertank mit Multisiel versetzt und aufgefüllt, so sind wir auf der sicheren Seite was die Wasserqualität an fremden Versorgungsstationen betrifft. Die Toilettenkassette war auch schon halb voll, auch die haben wir entleert, sodass wir nun bestens Versorgt auf Lost Places Tour starten können. Leider sind die Location die ich in wochenlanger Recherche herausgesucht hatte bestens gesichert (Le Chai Lagerhaus am Hafen), oder ich kann die Plätze einfach nicht finden. Immerhin haben wir Zugang zu einem ziemlich abgefuckten Erholungsheim gefunden. Nicht gerade die Location die Susanne hätte begeistern können, anyhow, at least Eine von Acht... Dafür entdecken wir das Anwesen eines Künstlers, der übergroße Frauenstatuen fertigt und auf Rasenplätzen, im Teich oder zwischen Ruinen platziert hat. Voll cool.... Voll krass ist auch unsere Fahrt durch Dünkirchens Hafengegend. Das Navi schickt uns hin und her, wir fahren über abenteuerlich zumutende, verrostete, kleine Brücken ( max. 2 to. & 2.6 mtr), hier würden wir nicht gerade bei Nacht umherlaufen wollen, schmuddelig, voll das klassische Milieu, was man in Hafenstädten halt so findet. Ich bin aber so was von gut drauf, mich kann nichts erschüttern. Das zeigt sich auch Abends, als wir am Fähranleger auf einem WOMI-Stellplatz übernachten. Ich erkunde den Containerhafen, lauf kilometerweit überall herum und fotographiere, ohne mich um sämtliche Warnhinweise und Verbotsschilder zu scheren. Ist ja Pfingstsonntag, da hat das Securitypersonal eh frei....hahaha

The Places are Lost...

Dank der hervorragenden Recherche der WOMI Verlag Reiseautoren haben wir auf dem Stellplatz nahe dem DFDS Check-In gut genächtigt. Naja, morgens um 5:30 Uhr bölckt doch glatt so ne Tussy quer über den Platz ihrer Bekannten zu, wie ruhig man hier während der Nacht stehen konnte... Fuck you, mögen wohl alle diejenigen Urlauber gedacht haben, die noch wie wir in den Kojen lagen. Gegen 8:00 Uhr fahren wir dann zum Check-In, wo wir von mit Maschinenpistolen bewaffneten Militärangehörigen empfangen werden. Gleich zweimal durchsuchen Franzosen und Engländer jedes WOMI und jeden PKW. Wir wissen bis dato ja nicht, dass es erneut einen schweren Terroranschlag in London gegeben hat. Erstaunlicherweise legt die Fähre pünktlich um 10:00 Uhr ab, kaum vorstellbar wieviele PKW's, WOMI's, Busse und LKW's im Bauch dieses Riesen Platz finden. Zum Glück ist die See ruhig...., ich denke daran zurück, als ich bei eine Überfahrt nach Gomera in kürzester Zeit heftigst Seekrank geworden bin und es gleichzeitig Oben und Unten rauskam.

Ich versuche während der Überfahrt ALMANAC Tourdates von Ihrer Facebook Seite abzurufen, aber trotz freiem WLAN Zugriff lässt sich die Facebook Website einfach nicht öffnen. So vergeht die Überfahrt ruckizucki, als wir die Kreidefelsen von Dover erblicken, wollen wir schon mal runter auf Deck 4, wo wir unser WOMI geparkt haben. Ums verrecken finden wir nicht ein Treppenhaus - wir rennen hin und her, nehmen irgendwann leicht genervt den Fahrstuhl. Nach 1 - 2 Minuten leuchtet die Anzeige immer noch bei Deck 6. "Der fährt aber langsam, oder sind die Anzeigen kaputt", kommt es uns in den Sinn. Wir drücken wild auf alle möglichen Tasten, bis sich die Tür schließlich wieder öffnet. Wir haben uns nicht 1 cm abwärts bewegt, sind immer noch da wo wir auch eingestiegen sind. Da die Fähre beim Bremsmanöver ganz schön gerappelt und getönt hat haben wir's echt nicht gerafft, dass wir wie bei "versteckter Kamera" einen ganz schönen Slapstick gerissen haben. Nachher bemerken wir, dass die Stahltüren zu den Treppenhäusern aus Sicherheitsgründen während der Überfahrt verschlossen sind.... Na da kann man ja auch kein Treppenhaus finden...

So, ab jetzt heißt es "links fahren"!!! Klappt ganz gut, nur das Navi nervt und leitet uns immer wieder auf Umwege. Wir erreichen trotzdem nach ca. 50 km unseren ersten planmäßigen Stopp an dem Dungeness Naturreservat. Susanne kocht lecker und ich erkunde die nähere Umgebung. Gut gestärkt wandern wir zum Besucherzentrum des Parks und starten von dort aus einen ca. 2 Meilen langen Rundweg. Dieses Naturreservat ist vergleichbar mit den Rieselfeldern in Münster, nur sind hier die zahlreichen größeren und kleineren Wasserflächen durch den früheren Abbau von Kies entstanden. Stellt euch vor, hier befindet sich die größte "Kieswüste" auf der Welt. Susanne ist ganz begeistert von den unterschiedlichst farbig gefleckten Kieseln, deren Formen die interessantesten Exemplare hervorgebracht haben. Mich fasziniert derweil eine Ansammlung von Spinnen, die ich in einer der Beobachtungshütten entdeckt habe. Echt eine schöne Zeichnung haben die britischen Spider auf ihrem Rücken. Auch der gelbfarbige Mohn ist ein Highlight auf unserer Tour. Was für ein Timing: kurz bevor wir nach einigen Stunden wieder am WOMI angelangt sind, fängt es an zu Regnen. Der Regen sollte sich während der nächsten Stunden zu einem ganz schön heftigen Unwetter steigern - so einen Sturm haben wir wohl noch nie erlebt.

Fähre, Linksverkehr & Dungeness Naturreservat

Die ganze Nacht hat das WOMI hin und her geschaukelt, nichts destotrotz haben wir gut geschlafen. Nach dem Frühstück mit lecker Rührei scheint sich der Sturm zu legen, so gehen wir nochmals den "Willow Trail" entlang in Richtung Wasserturm. Zu den in Sichtweite gelegenen Leuchttürmen fahren wir mit dem WOMI. Was für eine irre Gegend finden wir dort am Meer. Auch hier weit und breit nur Kies, kleine Fischerhütten und Lodges sind kreuz und quer in die Landschaft gesetzt, ein Ort, der einen ganz besonderen Charakter hat. Eine einsam gelegene, halb zerfallene Holzhütte erinnert mich an Westernszenarien aus der Amerikanischen Prärie. Und jetzt noch dieser hölzerne Steg, den ich aus dem Reiseführer kenne, lässt mich richtig euphorisch werden. Der Sturm nimmt wieder an Stärke zu und als wir den Steg entlang zum Meer gehen, werfen wir schon den ein oder anderen Blick zurück zum WOMI um zu schauen, ob es nicht schon auf der Seite liegt.... WOW, echt der Hammer was hier am Strand los ist. Wellen brechen herein, treiben und wirbeln den Kies vor sich her und enden in einer weißen Gischtschicht. Ich fotographiere, Susanne sucht nach Kieseln und Muscheln, der Sturm haut uns aber fast um. Zurück zum Steg ist's ne echt heftige Plagerei, wir kommen kaum vorwärts. Wie heißt's so schön in der "JEWER" Bierwerbung: "hättest du den Wind und das Meer gemacht, hättest du es ruhig gemacht", oder so ähnlich.... In der Tat, diese wilde, aufbrausende, tosende, kraftvolle Naturgewalten haben durchaus zerstörerisches Potential, aber auch ganz besondere Reize.

Ich hätte noch stundenlang bleiben können, aber wir wollen ja noch unseren nächsten Übernachtungsplatz erreichen. Hier in England kann man nicht so einfach Stellplätze finden so wie wir es von Deutschland her kennen. Unser Ziel ist der Parkplatz hinter dem "Castle Inn" Pub in Bodiam, wo wir gegen Einkehr übernachten dürfen. Im WOMI Reiseführer sind solche Tipps explizite beschrieben. Klasse!!!! Der Weg nach Bodiam führt uns entlang einer verwunschenen Gegend, schmale Straßen sind seitlich eingerahmt von hohen Hecken, welche nicht selten einen Teil der schon schmalen Straße für sich beanspruchen. Da haben wir jetzt die Situation die im Reiseführer beschrieben ist: "manche Wege sind nur was für mutige WOMI-Fahrer". Und ich bin mutig!!! Ich fotographiere sogar noch beim Fahren...., dieser Blick auf die Straße wollte ich schon für euch festhalten.

Da taucht das Bodiam Castle vor uns auf. Es soll zu den schönsten Burgen Englands gehören, ein Postkartenmotiv wie es besser kaum vorstellbar wäre. Recht haben Sie, beim ersten kleinen Rundgang schießen wir schon die schönsten Fotos. Erst einmal wollen wir aber im Pub einkehren. Ich bestelle mir eine Platte mit verschiedenen Fischsorten, Susanne bekommt überbackenen Blumenkohl mit Linsen und Kürbis auf Indischer Art zubereitet. Wir erleben den Charakter eines Englischen Pubs live mit. Einige junge Burschen bechern das Bitter & Larger Bier, schnabulieren und lachen lautstark herum, andere gesittetere Paare kommen zum essen, dann eine Frau mit nem Baby auf dem Arm, fast jeder dritte Besucher hat nen Hund dabei, echt ne coole Mileaustudie können wir hier betreiben. Das Essen war vorzüglich, morgen werden wir das Bodiam Castle ausgiebiger erkunden.

Leuchtturm, Kies & wildes Meer in Dungeness

Wir haben von Chris & Christiane ihre National Trust Ausweise bekommen, mit denen wir kostenlosen Eintritt zu zahlreichen Objekten haben, die vom N.T. aufgekauft worden sind und von ihm gepflegt werden. Wir sind pünktlich um 10:00 Uhr am Castle, so haben wir noch freie Sicht (auch mit dem Objektiv) bevor die Massen hier eintreffen. Die Burg ist im Inneren schon stark zerfallen, zwei Türme können wir dennoch begehen und interessante Dinge entdecken. Spaß hat's auch gemacht, als wir uns ne ganze Weile mit einer Angestellten unterhalten haben. Anfänglich wollten wir wissen, bis zu welchem Jahr die Burg bewohnt war. Als wir dann so im Gespräch waren und wir über unsere weiteren Reiseziele Auskunft erteilt haben, war die Frau begeistert und hat uns von besonders sehenswerten Gartenanlagen bis hin zu ihrer Zeit als Punk berichtet. Echt cool, hab fast jedes Wort verstanden!!!

Nur wenige Meilen führte uns der Weg hin zu unserem nächsten Ziel, und zwar dem Bateman's House, besser bekannt als Wohn- und Schaffensstelle von Herrn Kipling. "Kipling, wer ist denn das?", haben auch wir uns gefragt, als wir die Reiselektüre gelesen haben. Das weltbekannte Junglebuch hat Herr Kipling geschrieben, und wohl auch noch zahlreiche andere Werke verfasst. Er hat sogar einen Nobelpreis bekommen. Sein gesamtes Anwesen nebst Inventar und einzigartigen Dokumenten hat seine Frau später dem National Trust vermacht.

Weiter geht's zu unserer nächsten Übernachtungsstelle in Uckfield, wo uns gleich zwei Orte interessieren. Zum Einen befindet sich dort der Sheffield Park and Garden, zum Anderen hatte ich im Internet per Zufall das Boundaries Trading Center ganz in der Nähe des Sheffield Parks gefunden. Ein bunt gemischtes Anwesen, indem man Möbel und Assesioars aus Indien kaufen kann, ein Restaurant ist den Verkaufsräumen angegliedert, hier und da sind Poster von Konzertveranstaltungen zu sehen, denn auch Konzerte von Musikern wie Steve Hacket oder Martin Bouree finden hier ab und an statt. Der besondere Knüller ist aber die Tatsache, dass sich im zweiten Stockwerk eine Galerie mit original Werken von Roger Dean, dem bekannten Graphiker der "YES" Cover Arts befindet. Auf dem Sheffield Park Parkplatz dürfen wir nicht übernachten, so versuchen wir es am Boundaries Trading Center. Was haben wir Glück: kurz bevor das Center schließen will erfahren wir, dass wir gegen einen Betrag von 15 Pfund auf den parkähnlichen Rasenflächen hinterm Haus über Nacht stehenbleiben können. Es gibt Toiletten, Küche, Frischwasser und die Möglichkeit unser Brauchwasser zu entsorgen. Als der Mitarbeiter des Hauses unsere Daten aufnehmen will erzähl ich ihm, dass ich ein großer "YES" Fan bin und mich die Werke von Roger Dean hierher geführt haben. "Gehen sie doch mal hoch zur Galerie und schauen sich um", meinte er. WOW, was für eine besondere Stimmung bietet uns schon der Eingangsbereich. Wir huschen kurz durch die Räume, schießen ein paar Foto und freuen uns schon auf den nächsten Tag, wo wir dann in aller Ruhe uns diese genialen Kunstwerke anschauen wollen.

Bodiam Castle & Bateman's House

Wir haben bestens geschlafen, ich war ein wenig aufgeregt und voller Vorfreude auf's Boundaries. Nach dem Frühstück hatten wir noch etwas Zeit um schonmal das WOMI mit Frischwasser aufzufüllen, sowie Toilette und Brauchwasser zu Entsorgen. Das WOMI wollte allerdings nicht, ist es doch während der Nacht in dem durchweichten Untergrund etwas abgesackt. Keine Chance herauszukommen. Anyhow, wir sind ja nicht im Niemandsland, so wie damals mit Alina, als ich mich in Belgien auf einem Waldweg festgefahren hatte. Um 10:00 Uhr berichten wir dann dem netten Mitarbeiter des Hause unser Malheur, er sichert uns sogleich Hilfe zu. In der Nachbarschaft gibt's jemanden mit einem kleinen Traktor, den will er kontaktieren.

Wir schlendern nun erstmal durch die zahlreichen Verkaufsräume, die interessantesten Stücke sind dekorativ ins Licht gestellt. Mittlerweile hat auch der Besitzer des Hauses von unserem Missgeschick mit dem WOMI erfahren und kam auf uns zu und hat sich für diese Unannehmlichkeit entschuldigt. Er wusste, dass der Boden an der Stelle durchweicht war, hat aber versäumt es den Mitarbeitern mitzuteilen, so daß sie hätten diesen teil absperren können. Als wir dann auf Roger Dean zu sprechen kamen erzählte er mir, dass er mit Roger eng befreundet ist. Kommen sie mal mit, ich zeig ihnen etwas Besonderes. Durch einen schweren Vorhang von den Galerieräumen getrennt folgten wir Chris, es ging einige Treppenstufen höher, wir gelangten durch schmale Flure in kleine Büroräume. An den Wänden hingen überall besondere Werke von Roger im letzten Büroraum stand zu meiner Überraschung ein Schrank, der in etlichen Schubfächern unzählige Originale von Roger Deans riesigem Fundes beherbergten. Ich war etwas irritiert, mir war bis dato nicht klar das sich hier eine Schaltzentrale des Handels von Rogers Werken befindet. Chris öffnet eine Lade nach der anderen, sucht manchmal aus den übereinander liegenden, allesamt in Passepartout gefassten Werken irgendetwas Besonderes heraus, erzählt mir Geschichten dazu, für welche Cover Roger dieses Werk kreiert hat und in welchen Museen der Welt Werke von Roger zu finden sind. Nachdem Chris mir so ich weiß nicht wie viele Kunstwerke gezeigt hat meinte er irgendwann: "so, und jetzt kommt der "Heilige Gral". Er präsentierte mir zwei große, Passepartout-gefasste Bögen, auf denen Roger die "YES" Lyric zu "Close To The Edge" geschrieben hat. Ich bin völlig geplättet... Ich frage sogar ob ich wohl ein Foto davon machen dürfte, Susanne könnte die Werke ja halten. Nie hätte ich geglaubt das Chris zustimmen würde. "Warum hältst du nicht die Bögen und deine Frau fotographiert." Und wie schön Susanne mich mit dem "Heiligen Gral" abgelichtet hat!!! Würden wir nicht noch die Steinkreise von Stonehenge besuchen wollen, so wäre das für mich definitiv der Highlight unserer Urlaubsreise gewesen!!! Für diese Werke reicht unser Reisebudget allerdings nicht aus, ich bin aber jetzt überglücklicher Besitzer von dem "Magnetic Storm" Buch, sowie einem Briefmarken-Set mit Werken von Roger, herausgebracht vom Ilse Of Man Post Office.

Boundaries Trading Center, Roger Dean's YES Art

Ohne Traktor aber mit vereinten Manpower-Kräften bekommen wir unser WOMI wieder an den Start und fahren weiter zum Sheffield Park. Diese Anlage ist während einiger Jahrhunderte entstanden, die bekanntesten Landschaftsgärtner haben hier ihre Handschrift hinterlassen. Riesige Mammutbäume, unfassbar große Blätter die aus dem Boden wachsen sowie ein blühender Tulpenbaum begeistern uns. Leider ist schon mein zweiter Akku leer (hab ja auch schon über tausend Fotos geschossen...), aber Susanne hält die Highlights mit ihrem Smartphone fest.

Wir entschließen uns die 80 km zum nächsten Übernachtungsplatz zu fahren. Den Badeort Brighton lassen wir liegen wo er ist, Chichester ist unser Ziel. Dort gibt es an einem Naturreservat den herrlich gelegenen West Stoke Wanderparkplatz. Im "Kingley Vale" so der Name des Naturschutzgebietes, befindet sich laut Reiseführer einer der schönsten Eibenwälder Europas. Wir werden sehen....

Sheffield Park & Garden

Gestern Abend haben wir noch einen Spaziergang im "Kingley Vale" unternommen, und gleich diese uralten Baum-Methusalems entdeckt. Was für eine Aura geht von diesen in sich gewundenen, wie Fabelwesen erscheinenden Bäumen aus. Wir haben uns entschlossen gleich zwei Tage hierzubleiben. Chichester soll ganz reizvoll sein - wir fahren nach dem Frühstück in die nahegelegene City. Ich brauche dringend den Adapter um meine Akkus für die Nikon wieder aufladen zu können. Ganz in der Nähe der Innenstadt finden wir einen riesigen Parkplatz, die Gebühr von 4.70 Pfund für 6 Stunden ist ganz passabel. Wir werden auch bezüglich Adapter schnell fündig. Wir bummeln ein wenig durch die Einkaufszone und suchen dann ein Restaurant, indem wir mal die klassischen "Fish & Chips" essen können. Letztendlich landen wir in einem kleinen, netten Restaurant, statt "Fish & Chips" gibt es frittierte Calamaries mit Salat. Ich frage den jungen Kellner sofort, ob er so nett ist und mein Ladegerät an den Strom hängt, na klar, macht er sofort. Wir kommen ins Gespräch und er erzählt uns, dass er aus Polen stammt und längere Zeit in Deutschland gelebt und gearbeitet hat. Er hat nun Spaß wie bolle immer "bitteschön" zu sagen, wenn er uns etwas bringt. Das Essen ist lecker, da wir direkt am Fenster sitzen können wir zudem das bunte Treiben draußen beobachten.

Gut gestärkt halten wir uns in Richtung Kirchturmspitze, die 900 Jahre alte Kathedrale soll laut Reiseführer zweifelsfrei die Hauptattraktion in Chichester sein. Na dann haben die Autoren den kleinen Stadtpark unweit der alten Stadtmauern nicht gesehen, den wir auf unserem Weg per Zufall entdecken. Was für eine Farbenpracht, wunderschön angelegte Beete zwischen Wiesen, auf denen sich hier und da Pärchen oder junge Familien zum Picknick niedergelassen haben. Selbst einen Mamutbaum und einen weiteren blühenden Tulpenbaum () gibt es hier zu bestaunen. Na klar, die Kathedrale ist schon der Hammer, gibt sogar ein Fenster von Chagall. Im netten Kirchencafé gibt's Cappuccino und Schokotorte für Susanne und Joe kann sein Ladegerät anschließen. Wir kaufen noch einige Lebensmittel ein und fahren zurück zum West Stoke Wanderparkplatz, wo wir eine weitere ruhige Nacht verbringen.

Chichester Cathedral & Garden

Wie richtig war die Entscheidung einen weiteren Tag hierzubleiben. Irgendwie läuft eh alles in unserem Urlaub wunderschön, lediglich beim gestrigen Einkauf im Supermarkt waren wir ein wenig genervt. Bei herrlichstem Wetter wandern wir entlang der bestens gekennzeichneten Route durch das "Kingley Vale" Naturreservat. Diesmal mit meiner Kamera bewaffnet versuche ich, diese unbeschreiblich faszinierenden Eindrücke, die diese riesigen, uralten Eiben uns bieten, festzuhalten. Es ist mir nicht wirklich gelungen: dieses bizarre Spiel von Licht und Schatten, diese verwegenen Formen in sich verschlungener Äste, teils durchlöchert und in verschiedenfarbigen Holzfasern, ja sogar hölzerne Gesichter scheinen uns lächelnd zu beobachten. Wir werden diese Aura der Riesen in Erinnerung behalten... Plötzlich und unvermutet eröffnet sich uns ein freier Blich auf recht stark ansteigende Hügel. Der Weg für uns hoch hinauf und wir sehen nun den Eibenwald in seiner ganzen Größe. Von Oben soll der Fernblick ganz besonders sein, erzählt uns ein entgegenkommender Wanderer. Die beiden Bronzezeitlichen Hügelgräber und die hunderten Orchideen die wir am Wegesrand entdecken, beeindrucken uns allerdings noch mehr.

Zurück am WOMI sind wir erstaunt wie voll der Waldparkplatz geworden ist. Ein reges Raus und Rein stimmt mich nachdenklich: wie sieht es jetzt am Samstag wohl auf den Straßen aus? Wir müssen zudem noch am Badeort Southhampton vorbei. Wir entschließen uns eine weitere Nacht hierzubleiben, wir kochen gemütlich, chillen, ich arbeite am Reisebericht, Abends bekommt Susi ne schöne Fußmassage - Urlaub ist echt geil!!!

Kingley Vale Naturreservat

So, jetzt geht's weiter mit wirklich ganz besonders sehenswerten Fotos im zweiten Teil des Reiseberichtes, würde sonst den Rahmen sprengen.

Teil 2 - Redfield - Lost Places - Cemeteries - London

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