Vacation 09/2016 - Bayern - Nordheim am Main - Augsburg - Susanne und Joe

Was für eine turbulente Zeit liegt da hinter mir...., meine Bandscheibengeschichte mit OP und Reha, zig Arztbesuche und Antrag auf Erhöhung meiner Schwerbehindertenprozente, mein 60ter Geburtstag mit ner hammer geilen Hippie - Party in HabRocks Café in Ennigerloh, das Hoffest bei Steinies.... Hat aber alles besten geklappt, jetzt ist Zeit zum Runterkommen - Urlaub ist angesagt!!! Ich wäre ja liebend gerne direkt nach meiner Geburtstagsparty nach Paris gefahren, so ne gebuchte Studienreise mit Führungen usw., aber da hat mir meine Bandscheibe einen Strich durch die frühzeitige Planung gemacht. Bin ja weiterhin krankgeschrieben, muss wohl noch zum Vertrauensarzt, also war's einfach nicht absehbar ob das mit einer festgebuchten Reise auch klappen könnte.

Nun ja, ich glaube die Tour die Susi und ich jetzt geplant haben wird bestimmt auch erholsam und interessant. Genau wie mein Wunsch, Paris einmal näher kennenzulernen, werde ich mir einen weiteren Wunsch erfüllen: die Augsburger Puppenkiste zu besuchen (mehr dazu aber später...) Erst einmal fahren wir in den Süden, genauer gesagt nach Nordheim am Main, nahe Würzburg. 370 Kilometer am Stück erschien uns fürs Erste genug, wir wollen ja dieses hochsommerlich warme Wetter, welches für 3-4 Tage angekündigt ist, nicht damit verbringen, im WOMI zu sitzen. Also Montagmorgen das WOMI gepackt, Dies und Das musste noch erledigt werden und los geht's in Urlaub!!! Juhuuuuu....

Nordheim am Main liegt so auf halbem Weg nach Augsburg, ist eine der bekanntesten Weinanbauregionen in Franken. Ein großzügiger Stellplatz, direkt zwischen Main und Auenlandschaft gefällt uns bestens, also Campingstühle und Tisch raus, Markise runtergekurbelt und der Urlaub kann beginnen. Später erkunden wir die nähere Umgebung. Die kleinen Badebuchten entlang des Mains und die zahlreichen Obstwiesen in der Auenlandschaft bieten erste schöne Einblicke, nur werde ich ständig von Mücken attackiert, ich werde wahnsinnig!!!! Weck hier, nichts wie weck..... Im kleinen Ort, wo sich anscheinend alles nur um Weinanbau, Verarbeitung und Vermarktung dreht, entdecken wir beim ersten Herumschlendern schon so einige interessante Ecken, die wir uns während der nächsten Tage mal näher ansehen werden. In der Dorfkirche begrüßt uns freundlich die Küsterin, die gerade schaut, ob die elektrischen Kerzen alle noch funktionieren. Sie erzählt uns so Einiges, allerdings verstehen wir nur Bahnhof....., ach ja, wir sind in Bayern, und sprechen halt einen merkwürdigen Dialekt... Ein Vorgarten nebst Hofeinfahrt fällt uns auf - er war dekoriert mit 2 ausgestopften Greifvögeln, unterschiedlichsten Kürbissen und etlichen Blumenkübeln, die Blütenpracht fasziniert Susanne ganz besonders. Wir kommen mit dem älteren Hausbesitzer ins Gespräch und verlassen ihn dann mit alle möglichen Infos über diese Weinanbauregion, Nachbardörfer, Sehenswürdigkeiten, Namen der besten Weinsorten und mit ner kleinen Tüte voll Zwetschken, Tomaten, Pfirsichen und Äpfel aus seinem Garten. Echt nett der erste Eindruck unser ersten Urlaubsetappe....

Nordheim am Main

Die erste Nacht auf diesem empfehlenswerten Stellplatz war echt ruhig, hier und da waren einige Vogelstimmen zu hören - ach ja, gestern Abend ist hier sogar eine Eule vorbeigeflogen!!! Die zahlreichen Mückenstiche vom Vorabend haben heute Nacht schon heftig gejuckt, dafür wurde ich aber durch einen fantastischen Sonnenaufgang entschädigt!!! Wie schon am Vortage auf dem Hof Steinhorst, gibt's bei dem momentan wolkenfreiem Himmel morgens immer einen wunderschönen Sonnenaufgang zu beobachten. Die Feuchtigkeit der Nacht steigt von den Wiesen auf und bildet mit der aufsteigenden Sonne ein idyllisches, zauberhaftes Panorama.

Ein Plopp, Plopp, Plopp irritiert mich ein wenig, irgendwo tröpfelt da Wasser. Vom Abwassertank kann das doch nicht kommen, sonst hätten wir das doch schon früher mal bemerkt. Ich gehe raus, öffne die verschiedenen Klappen und entdecke neben Ameisen (hallo Ulla, hi Ulli, habt sie längst nicht alle erwischt...hahaha), gleich 2 undichte Stellen. Ein Anschluss an der Wasserpumpe und ein Abzweigstück sind nicht dicht. Na da brauchen wir uns ja nicht wundern, dass wir vor einigen Monaten einen Wasserschaden entdeckt hatten. Tja, was soll ich mich jetzt verrückt machen, Susi bereitet (natürlich draußen) das Frühstück vor, während ich mit dem Reisebericht für meine Website starte.

Ganz chillig verbringen wir den Vormittag, spazieren dann wieder durch die Aue, vorbei an einem kleinen Flussdelta ins Dorf, wo wir gestern ein Eiscafé entdeckt haben. Im netten Hinterhof mit reichlich Orleanderbüschen gibt's Cappucciono und Eis. Hmmm, was lecker!!! Zurück am WOMI nehme ich ein Sonnenbad, döse immer wieder ein, werde aber auch immer wieder geweckt vom viertelstündlichem Glockengebimmel. Auf beiden Seiten des Mains liegen kleine Ortschaften, natürlich mit jeweils ner eigenen Kirche. Lustiger weise startet das Glockenspiel leicht zeitversetzt, sodaß uns zu jeder vollen Stunde ein, im warsten Sinne des Wortes, vielseitiges Glockenkonzert erwartet.

Gegen Abend grillen wir verschiedene Gemüse, macht jetzt viel mehr Spaß mit der neuen, längeren Gasanschlussleitung. Nach einem Abendspaziergang sind wir früh ins Bett gegangen, ganz schön anstrengend Sonne und Urlaub....

Nordheim am Main

Heute bin ich früh raus, wollte ja nochmals Fotos von der Morgenstimmung schießen. War heute aber nichts mit Raureif und Frühnebel. Dafür gab's dann frische Brötchen zum Frühstück. Gegen 9:30 Uhr schnappen wir uns unsere Räder und fahren zur 5 km entfernten Hallburg. Das riesige Wirtschaftsgebäude liegt etwas abseits, der eindrucksvollere Gasthof ist leider für den Besucherverkehr gesperrt, es muss dort wohl vor kurzem gebrannt haben. Schade...., wir radeln einige Kilometer weiter zur Aussichtsplattform, von wo aus wir einen Rundblick bis hin nach Würzburg haben. Am meisten reizen mich die Distel-Blüten, hab echt schöne Nahaufnahmen geschossen. Nach einer gemütlichen Rast, bei der wir uns mit aufgesammeltem Obst stärken, geht's weiter nach Sommerach. Wir müssen an dieser Stelle mal erwähnen, dass es hier doch nicht nur Wein gibt, es erschließen sich uns immer mehr Obstanbauflächen, Gemüsebeete und richtig viele Schrebergärten. Richtig klasse!!! Und das Beste, es gibt einige Bioland und Demeter Betriebe.

Sommerach's Altstadtbereich ist vom allerfeinsten herausgeputzt, ein Haus schöner als das Andere. Wir kehren beim "Zöpfleswirt" ein, Susanne bestellt sich Fränkische Bratwurst mit Sauerkraut, ich esse einen Flammkuchen mit Lauchzwiebeln und frischen Pfifferlingen. Susi hat nach einem halben Glas Wein leicht einen im Tee, hahaha, das geht immer sooo schnell bei ihr. Zum Glück erreichen wir ohne Zwischenfälle wieder unser WOMI, zuvor gibt's aber wieder Eis und Cappuccino. Ein schöner Tag....

Nordheim am Main

Susi und ich haben bestens geschlafen, das Frühstück mit frischen Brötchen und Fränkischen Wurstspezialitäten schmeckt ausgezeichnet, ein richtig schönes Urlaubsfeeling hat sich eingestellt. Bei den sommerlichen Temperaturen fühlen wir uns manchmal so als wären wir irgendwo in Italien oder Südfrankreich. Dazu würden auch die exotischen Pflanzen passen, die wir immer wieder sehen. Blühende Kakteen und Bananenstauden, Hibiskus Pflanzen mit riesig großen Blüten, scheint schon ein besonderes Klima hier zu sein. (oder der Klimawandel kündigt sich an - mehr dazu später....)

Heute fahren wir mit der kleinen Mainfähre rüber auf die andere Seite, wir wollen uns die weithin sichtbare Vogelburg mal näher anzuschauen.Der Weg dorthin führt uns steil bergauf durch die Weinterassen, die Vogelburg, die urkundlich um 900 n.Ch. erstmalig erwähnt wird, hat wohl bis auf die Grundrisse und den Namen nichts von ihrer damaligen Pracht erhalten können. Sie wurde umfunktioniert in ein vornehmes Hotel- und Gastronomie Unternehmen. Wir suchen schnell das Weite, sehen wenige hundert Meter entfernt eine Erntemaschine durch die Rebstöcke fahren. Die Weinernte beginnt....

Ich bin ja nicht mehr so bange wie früher und spreche die beiden Herren an, die im Schatten stehen und miteinander plaudern. Wir erfahren einiges über Handleese und maschinelle Ernte, Verarbeitung und Qualität. Echt interessant. Nachmittags nehmen wir noch an einer Weinkellerbesichtigung teil. Im historischen Zehnthof sind in den uralten Kellergewölben hölzernen Eichenfässer mit edlen Weinen gefüllt, 95 % der Genossenschaftsproduktion werden allerdings in riesigen Edelstahlbehälter gelagert. Appropo Klimawandel: die Weinrebe "Bachus" wird es nach Information der Divino Mitarbeiterin wohl nicht mehr lange geben - es ist ihr hier einfach zu warm geworden.

Wieder zurück am WOMI chillen wir erstmal ab, später gibt es dann Pflaumenpfannkuchen, natürlich draußen auf unserem Campinggrill zubereitet.

Nordheim am Main

Wie der Wetterbericht prognostiziert hatte ist's vorbei mit dem hochsommerlichem Wetter. Es hat heute Nacht bereits leicht angefangen zu regnen, in weiser Voraussicht hatten wir unsere Campingsachen gestern Abend schon im WOMI verstaut. Heute geht's ja weiter nach Augsburg. Die Undichtigkeiten an der Wasserpumpe und der Zuleitung zur Dusche trüben meine Stimmung schon ein wenig, habe mir eine Adresse von einem Wohnmobilhändler in Augsburg herausgesucht. Mal sehen ob wir dort Glück haben und einen kurzfristigen Werkstatttermin bekommen. Und wir haben Glück - naja, ein wenig. Die Undichtigkeit an der Wasserpumpe kann ein Techniker beseitigen, um die Leckage an der Duschamatur zu reparieren muss allerdings ein Teil der Duschwand entfernt werden, und das klappt jetzt nicht. Nun gut, ist halt so....

Auch den WOMO Stellplatz, ganz in Zentrumsnähe gelegen, finden wir auf Anhieb. Es ist 15:00 Uhr, wir können uns also noch einen ersten Eindruck von Augsburgs City machen. Um ehrlich zu sein, ich hab null Ahnung was uns hier in erwartet. O.k., die Augsburger Puppenkiste kenne ich, den Fussball Erstligisten FC Augsburg, dann hört's aber auch schon auf. Das diese Stadt älter ist als München und durch die Fugger Familie auch sehr reich war, sehen wir an den zahlreichen imposanten Bauten im Zentrum. Die vielen Punks, die sich auf dem Rathhausplatz zum "sit in" eingetroffen haben, stammen aber eher aus der Neuzeit.... Nach den vier, eher südländisch verträumten Tagen in Nordheim fällt es uns schwer, mit diesem turbulentem Treiben in der Großstadtmetropole zurechtzukommen. Geschäftshäuser, Kirchen, Bistros, überall Menschen, Busse und Straßenbahnen, die von links und rechts angefahren kommen, erfordern höchste Konzentration nicht unter die Räder zu kommen.

Wir stärken uns erst einmal mit einer vegetarischen Teigrolle, decken uns an einem Informationspunkt mit Infomaterial und Stadtplan ein und schlendern dann gemütlich zur Heimat der Puppenkiste. Ich bin ganz schön aufgeregt, was mich in den Räumen des "Heilig-Geist-Spitals", indem die Familie Oehmichen 1948 nach den düsteren Kriegsjahren erneut ihr Puppentheater aufgebaut hatten, erwartet. In der Spitalgasse tauchen einige Häuserfassaden auf, die darauf schließen könnten, dass dort die weltberühmte Puppenkiste zu Hause ist, wir sind leicht irritiert und müssen das richtige Haus und Eingang suchen. Da sind wir nun in der kupelgewölbten Eingangshalle. Der erste Eindruck ist etwas ernüchternd. Wir sind schon richtig hier, Marionettenfiguren von Jim Knopf und Urmel sind zu sehen, wir bekommen sogar noch Eintrittskarten für die Sonntagsvorstellung von "Der Zauberer von Oz", es gibt Bilderbücher und DVD's der gesamten Werke, alles ist aber doch recht karg und einfach gehalten. Wenn ich da an das "Harry Potter Museum" in England denke, wo mir beim betreten der Eingangshalle ein "wow, ist das geil" über die Lippen kam und mir die Nackenhaare aufrecht standen, hätte ich mir hier doch etwas Anderes erwartet. Wenn ich mir die diversen Infoblätter durchlese hört man schon ein wenig raus, dass die Betreiber der Puppenkiste auf verschiedenste Fördergelder angewiesen sind, um das Überleben des Puppentheaters zu sichern. Wir schauen uns die Auslagen in den Vitrinen an und setzen uns noch ne Weile ins Bistro. Das Museum wird sicherlich mehr bieten, das werden wir Morgen besichtigen, Sonntag dann die Vorstellung im Puppentheater.

Wir setzen unsere Sightseeingtour fort, nähern uns diesem riesig großen Kirchengebäude, Orgelmusik ist zu hören, nichts wie rein. Wow, ist das bombastisch, was für ein Bauwerk. Spontan und schnell starte ich die Videofunktion meiner Kamera, was für ein Klang kommt da aus der imposanten Orgelanlage. Wir sehen noch gerade den Priester und ne Schar von Messdienern verschwinden, die Luft ist weihrauch-geschwängert, die Gläubigen verlassen die Kirche, aber nicht ohne sich zuvor am riesigen Weihwasserbecken zu bekreuzigen. Unfassbar, was die Bauherren und Künstler da geschaffen haben. Es fängt an zu regnen und wir machen uns auf den Weg zurück zum WOMI. Die letzten Meter verlaufen wir uns glatt noch, sind erstmals etwas genervt... Eine Tüte Erdnüsse sorgt aber recht schnell für Entspannung...

Augsburg

Die ganze Nacht hat es geregnet, wir haben nicht ganz so gut geschlafen. Nach dem Frühstück geht's wieder zur Augsburger Puppenkiste, bin ja echt gespannt was uns im Museum erwartet..... Meine Hoffnungen werden mehr als zufriedengestellt, ich bin total auf dem Häußchen. Ein unfassbar schöner Sprung zurück in die Kindheit erfasst in dem Museum wohl jeden der älteren Besucher. All die Helden wie Lukas und Jim Knopf, Urmel und Mama Wutz, König Alfons der Viertelvorzwölfte, der Löwe, die Mupfel, Turtur der Scheinriese, ach, ich kann sie nicht alle aufzählen. Sie sind alle da, echt schön arrangiert in riesigen Schauvitrinen. Hier und da sind kleine Kinoräume, wo einige der Klassiker zu sehen sind. Ganz fasziniert sitzen dort immer wieder einige Erwachsene und lachen aus vollem Herzen über das "öff öff" von Mama Wutz oder die Gesänge vom Walross. Wir können uns gar nicht sattsehen, echt wunderschön!!! Es gibt zudem ganz viel Infotafeln zu den Machern der Puppenkiste, den TV-Produktionen oder den Auslandsreisen bis hin nach Japan. Stundenlang wandeln wir durch die Räumlichkeiten, sehen immer wieder aus anderen Perspektiven nachgestellte Szenen, entdecken die teils versteckten Nebendarsteller, wir sind schier begeistert!!!!

Augsburger Puppenkiste

Heute wollen wir ein drittes Mal in die Augsburger Puppenkiste gehen. Haben ja eher zufällig beim ersten Besuch Karten für den "Zauberer von Oz" bekommen. Zwei Plätze in der siebten Reihe. Im Internet hatte ich ja zuvor gesehen, dass bis auf wenige Plätze in den letzten Reihen alle Vorführungen für den Zeitraum unseres Aufenthaltes in Augsburg ausverkauft waren. Was ein Glück. Glück hatten wir auch gestern Abend. In einer Kneipe Nahe des WOMI Stellplatzes war wohl eine Hochzeitsfeier zugange. Schon ab 18:00 Uhr hörten wir lautstarkes Gesinge. Ich dachte zuerst an einen Fanclub vom FC Augsburg. Gegen 22:00 Uhr sind wir dann mit einem Feuerwerk auf der anderen Uferseite der Wertach überrascht worden. Ein funkelndes Herz mit zwei Initialien brachte dann Klarheit über den Grund der Feierlichkeit. Wir haben die große Dachluke geöffnet und uns das Feuerwerk als Zaungäste angeschaut...

Auf dem Weg zur Puppenkiste sind wir noch schnell am Augsburger Dom vorbei gegangen. Hätte ich gewusst was mich dort erwartet hätte ich dem Besuch wohl auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Unfassbar: ich werde immer wieder überrascht von der Tatsache, dass es immer wieder noch bombastischere, prunkvollere Bauten gibt als ich sie schon des Öfteren gesehen habe. Mir stockt der Atem, vieles hier muss uralt sein. Da wir unseren Zeitplan viel zu optimistisch ausgelegt haben sausen wir ruck zuck durch den Dom, ich schieße schnell einige Fotos. Vergelt's Gott, wir haben auch beim Kauf eines Infoblattes 50 Cent mehr in den Klingelbeutel geworfen....

Dom

Leicht durchgeschwitzt erreichen wir pünktlich das Puppen Theater. Unsere Plätze sind kaum zu toppen. Nach dem dritten Klingelzeichen wird das Licht heruntergedimmt, und so wie früher klappen die beiden riesigen Türen der "Augsburger Puppenkiste" nach links und nach rechts auf. Ein roter Samtvorhang erscheint, von unten hell-gelb angestrahlt. Das Theaterstück wird in vielen, kleinen Szenen dargeboten, welche jeweils dadurch angekündigt werden, indem sich der Vorhang blitzschnell auf und zu schiebt. Da trippeln die Figuren über die Bühne so wie früher auch. Ein wirklich tolles Handwerk was die Puppenspieler uns da vorführen. Ich achte oft auf die vielen Fäden die da von oben kommen und mit denen die Figuren zum Leben erweckt werden. Beim Löwen oder dem Drachen sind das ganz schön viele. Die moderne Technik hat aber auch hier Einzug gehalten. Das bewegliche Bühnenbild ist bestens beleuchtet, Nebel und Feuer erzeugen entsprechende Stimmungen, schon klasse gemacht. Wie gesagt, dieses alte Handwerk begeistert mich, klasse, dass diese Kunst überlebt...

Puppenkiste

Auf dem Rückweg zum WOMI gehen wir noch an der Fuggerei vorbei. Die Fuggerei ist die älteste Sozialsiedlung der Welt. Der ach so barmherzige Herr Fugger hat hier in Augsburg den bedürftigen Menschen was Gutes tun wollen und 67 Häuser mit 140 Wohnungen errichten lassen, andere haben sich Ablassbriefe gekauft um ihr Gewissen zu erleichtern. Die Fugger Familie war über die Grenzen Europas hinaus in Afrika, Süd Amerika und in Indien im Handel unterwegs. Ich möchte nicht wissen was für ein Leid, Ausbeutung und Tyrannei diese Typen verursacht haben. Mal haben sie Könige auf den Thron geholfen, dann wieder waren es die Päpste mit denen sie ganz dicke waren. Heute werden diese 140 Wohnungen wie auch vor 500 Jahren für den Nominalwert eines Rheinischen Guldens (aktuell 0,88 € pro Jahr) vermietet. Es werden allerdings nur Katholen als Mieter genommen, und, sie müssen täglich drei Gebete für die Familie Fugger sprechen....

Fuggerei

 

Habe den Reisebericht und die zahlreichen sehenswerten Fotos in zwei Teile aufgegliedert, würde sonst den Rahmen sprengen...

Teil 2 - Rothenburg ob der Tauber - Nürnberg

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