Vacation 09/2016 - Bayern - Rothenburg ob der Tauber - Nürnberg - Susanne und Joe

Man, was hat das die letzten beiden Tage geschüttet. Zum Glück soll das Wetter ab Dienstag wieder besser werden. Wir sind heute Morgen weiter nach Rothenburg ob der Tauber gefahren. Diese mittelalterliche Stadt besticht durch unglaublich viele malerische Fachwerkhäuser, welche entlang der verwinkelten Gassen und Plätzen mit ihren Kopfsteinpflaster liegen, eingerahmt von einer Kilometer langen, gewaltigen Stadtmauer, bestückt mit 42 Türmen. Wir schlendern gemütlich in Richtung Rathaus, stoppen immer wieder vor ganz witzigen Geschäften. Was es hier in kleinen und großen Läden nicht alles zu kaufen gibt: Weihnachtsutensilien, beleuchtete kleine Häußchen und Räuchermännchen, historische Waffen und Rüstungen, allen möglichen Krimskrams, und natürlich die "Schneebälle", eine süße, Rothenburger Spezialität. In der Altstadt sind echt viele Touristen aus allen Herren Ländern unterwegs, besonders zahlreich sind die Japaner, die solche Orte ganz besonders lieben. Alles ist drei-sprachig ausgeschildert, Rothenburg ob der Tauber gilt weit über Deutschlands Grenzen hinaus als Sehenswürdigkeit ersten Ranges.

Rothenburg ob der Tauber

Es fängt wieder an zu regnen, so nutze ich diesen Nachmittag für einen Besuch im größten Deutschen Kriminalmuseum, welches die Rechtsentwicklung vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert dokumentiert. Nichts für schwache Nerven, stelle ich schnell fest.... Die verschiedensten Folterwerkzeuge, dicke Bücher mit detaillierten Anweisungen, Folterprotokolle und Zeichnungen lassen meinen Magen sich dann doch irgendwann umdrehen. Wie bestialisch und brutal waren die früher drauf. Ich mache einige Fotos, verzichte aber darauf mir die zahlreichen detaillierten Beschreibungen durchzulesen.....

Kriminalmuseum

Langsam verstehen wir, warum Rothenburg ob der Tauber weit über Deutschlands Grenzen hinaus als Sehenswürdigkeit ersten Ranges gilt. Ist schon äußerst beeindruckend, über was für ein ausgedehntes Gebiet sich diese grandiose Altstadt hinweg zieht. Stundenlang schlendern wir durch Gassen, Parkanlagen und den überdachten Stadtmauerring. Seht selbst.....

Rothenburg ob der Tauber

So, heute steht mal Fitness und Kultur auf dem Programm. Nach dem Frühstück kümmern wir uns erstmal ums WOMI, Trinkwasser auffüllen, Brauwasser und Toilette entleeren, verstellen in diesem Zuge auch gleich das WOMI auf einen anderen Platz. Der morgentliche Berufsverkehr stört doch ein wenig.... Danach geht's dann mit den Fahrrädern los entlang der Tauber durchs Taubertal. Auch hier entdecken wir ständig idyllische Orte oder besondere Fotomotive. Mal steht da ne schöne, rote 2CV Ente vor einen kleinen Ferienhaus, dann nette Anwesen mit wunderschönen Bauerngärten, plötzlich tauch ein winzig kleines Schlösschen auf, dann wieder eine große, wie aus dem Ei gepellte Heuschrecke auf Susannes Fahrradsattel. Wir kommen fast gar nicht zum Radfahren. Gegen Mittag kehren wir in einem kleinen Örtchen ein, es gibt Würstchen mit Sauerkraut, für Susi Apfelstrudel und Cappuccino. Wir sitzen draußen, es ist wieder sonnig und warm. Vom Tal aus haben wir immer wieder einen interessanten Blick auf Rothenburg. Schon krass diese Silhouette mit der Stadtmauer, den Türmen und den Kirchen.

Kirche, das Stichwort für den kulturellen Teil des heutigen Tages. Um 17:00 Uhr gibt's in der St. Jakobs-Kirche ein 30- minütiges gratis Orgelkonzert. Ilse Marie Reich, eine Rumänische Orgelvirtuosin der Spitzenklasse ist heute zu Gast und präsentiert verschiedene Werke von Bach, Mendelssohn Bartholdy und Reger. Orgelklang ist schon geil, es geht eher gemächlich los, steigert sich aber zum Ende hin zu echt bombastischen Klängen. Nicht weitersagen, ich hab alles mit meiner Kamera aufgezeichnet. Naja, fast alles. Die Kamera kann ja immer nur Sequenzen von 10 Minuten aufzeichnen, ich hab also nach jedem Stück kurz gestoppt und wieder gestartet. Das letzte, bombastischste Stück hatte zwischen dem ersten und zweiten Teil allerdings kaum eine Sekunde Pause, so hab ich die Aufnahme nicht unterbrochen. Was für ein unverzeihlicher Fehler. Die letzten Minuten dieses genialen, begnadeten Orgelspiels hab ich nicht mitgeschnitten. Könnte mich schwarz ärgern....

Rothenburg ob der Tauber

Wegen des gestrigen Orgelkonzertes in der St. Jakobs-Kirche war es schon einige Zeit vor dem Konzert nicht erlaubt, die Kirche zu besichtigen. Dort steht ja der kunsthistorisch bedeutsame Heilig-Blut-Altar, ein Werk vom berühmten Bildhauer Tilman Riemenschneider. In dem vergoldetem Kreuz über dem Schrein befindet sich eine Reliquie, und zwar eine Bergkristallkapsel, die 3 Tropfen Blut Christi enthält. Und wer das dann glaubt wird auch Selig. Na deswegen wandeln hier sooo viele selig dreinblickende Gemüter durch die Gegend. Bei Susi liegt der verträumte, glückliche Blick meistens an vor ihr stehenden süßen Köstlichkeiten, bei mir eher an coolen Fotomotiven....hahaha.

In der Tat, der Heilig-Blut-Altar von Tilman Riemenschneider ist schon ein besonderes Kunstwerk. Komme gerade in die hinter der riesigen Orgel liegenden Kapelle, als hier eine Führung unterwegs war. Der Hauptteil des Altars, eine Szene mit Jesus und den Jüngern, ist aus fünf Baumstämmen geschnitzt worden. Schon echt krass was der Meister da geschaffen hat. Die Fachfrau meinte, es gebe nichts vergleichbares, wo die Gesichtsausdrücke so klar herausgearbeitet wurden. Selbst die Adern an den Händen sind deutlich zu erkennen.

Weiter geht's in ein alter Handwerkerhaus, welches zwischen 1270 und 1300 errichtet wurde und nahezu unverändert das Wohn und Arbeitsmilieu vergangener Jahrhunderte zeigt. Hier lebten Büttner, Schwarzfärber oder Schuster mit ihren Familien und Knechten. Selbst der Brunnen, der sich im Flür des Hauses befindet und noch heute über neun Meter Wasserstand aufweist, war bereits um 1400 registriert. Echt sehenswert....

Wir gehen wieder zurück zum WOMI, besorgen uns ein Stellplatz-Ticket für einen weiteren Tag, dann gibt es Reste von Gestern und zum Nachtisch Pflaumenpfannekuchen. Nach einem wohltuenden Mittagsschläfchen gehen wir nochmals in die Stadt, sitzen gemütlich auf den Treppenstufen des Rathausplatzes und beobachten das bunte Treiben. Auch in dem kleinen Park vor dem wohl schönsten der vielen Türme, setzen wir uns auf eine Bank und genießen bei sommerlichen Temperaturen die schöne Aussicht.

Rothenburg ob der Tauber

Wir sind nun für ein paar Tage in Nürnberg bei Susannes Bruder. Anja ist das Wochenende über unterwegs, so hat mein Schwager Andreas Zeit für uns. Gerade laufen die sogenannten Stadt(ver)führungen, bei denen man einen Einblick in eher verschlossene Orte bekommen kann. Wir fahren mit den Fahrrädern quer durch die Nürnberger City zu einem recht großen Park. Thema der Führung sind einige der Exotischen Bäume die hier stehen. Ganz spannend was es da alles gibt: z.B. den Taschentuchbaum oder den Tulpenbaum. Gegen Abend fahren wir in die Stammpizzeria von Anja und Atze und essen lecken. Highlight, der Angestellte Pasquale stimmt mit einem Gitarristen, der ein paar Songs zur Unterhaltung der Gäste spielt und dann den Hut rumgehen lässt, einige Italienischen Lieder an und schmettert aus voller Brust mit seiner tiefen Stimme Oh Sole Mio an....

Samstag fahren wir vom Gostenhof-Viertel, einem kulturell bunt gemischtem Stadtteil Nürnbergs, zum ehemaligen Nürnberger Zentrum der Nazies, wo sich der Zeppelinplatz und ne riesige SS Kaserne befand. In der früheren SS Kaserne ist heute das BAMF untergebracht, in dem sogenannten Z-Bau befindet sich heute ein buntes Kulturzentrum, welches Atzes Freund Arne im Rahmen der Stadt(ver)führung vorstellt. Gleichzeitig bekomme ich von Arne einige Infos zu Lost Places in Nürnberg. Leider gibt's davon hier nicht mehr so viele wie vor ein paar Jahren, da sie rigoros abgerissen werden. Ein LP liegt ganz in der Nähe vom Z-Bau und dem Stellplatz, wo wir vor drei Jahren bereits mal mit unserem WOMI gestanden haben. Es ist ein riesiger alter Güterbahnhof, wir radeln schon mal hin, damit ich mich ein wenig orientieren kann für einen späteren ausführlicheren Besuch. Zurück in Andreas und Anjas Wohnung kochen wir zusammen, es gibt Salat, Rumpsteak mit Kürbisspalten und Kartoffeln. Hmmmm, lecker lecker.....

In Nürnberg

Sonntag wollen wir uns Atzes Arbeitsplatz in einem Altenheim anschauen. Er pflegt dort die Gartenanlagen an zwei Tagen in der Woche. Zuvor stoppen wir am Hesperiedengarten und per Zufall am Johannisfriedhof, welcher nachweisbar seit 1234 besteht. Dieser Friedhof begeistert mich zutiefst, wirklich beeindruckend was es hier zu entdecken gibt. Albrecht Dürer und zahlreiche andere Prominente sind hier Begraben. Mal sehen, vielleicht fahre ich Morgen nochmals hin, es gibt dort einfach soooo viel zu entdecken, der Friedhof wird auch wegen seiner zahlreichen Rosenbüsche Rosenfriedhof genannt. Die Gartenanlagen vom Michael Bauer Altenheim sind ebenfalls interessant angelegt, gibt dort auch einiges zu entdecken. Weiter geht's mit den Fahrrädern an der Pegnitz entlang, bedingt durch das sommerliche Wetter sind wir leider nicht die Einzigen, die diese Idee hatten.

Anja ist zwischenzeitlich von einer Hochzeitsfeier ihrer Freundin zurück. Gegen 19:00 Uhr kehren wir in einem Indischen Restaurant ein, ein nachträgliches Geburtstagsgeschenk von Anja und Andreas. Um es kurz zu fassen: wir haben schon mal bessere Indische Speisen zu uns genommen (die Vorspeisen waren ganz gut), aber nie war es so lustig wie hier!!! Nach ca. einer halben Stunde haben wir angefangen, uns über das sich immer wieder wiederholende Indische Musikstück zu amüsieren. Damdada Damdada Damdada Da Da, lautete der Refrain... Erst haben wir gescherzt, ob dieser Song vielleicht so viele Strophen hätte, aber irgendwann war deutlich eine kurze Pause zu hören, dann ein kurzes Intro, und der Song begann von Neuem. Auf die Nachfrage beim Kellner, ob es sein könnte, dass immer das gleiche Lied zu hören sei, antwortete er: er hätte immer soooo viel zu tun, dass er das nicht wahrnehmen könnte was da für Musik im Hintergrund laufen würde. Ich hät mir beinahe in die Hose gemacht, anyhow, wir alle hatten auf dem Rückweg einen neuen Ohrwurm...Damdada Damdada Damdada Da Da......

In Nürnberg

Anja und Andreas müssen heute wieder arbeiten, Susanne und ich haben uns überlegt nochmals zu dem St. Johannis Friedhof zu radeln. Wie ich mittlerweile im Internet recherchiert habe ist der Friedhof bereits dreimal zum schönsten Friedhof in Deutschland gewählt worden, ja kultur-historisch soll er sogar einer der bedeutesten Friedhöfe in Europa sein. Nachdem wir die Grabstätte von Albrecht Dürer gefunden haben kommen wir mit einem Fotographen ins Gespräch, der immer wieder hierherkommt und sich deshalb bestens auskennt. Der Typ ist wie ein wandelndes Geschichtsbuch: wir erfahren etliche interssante Geschichten über Dürer (der soll angeblich Schwul gewesen sein), über seinen Freund und dessen blutjunger Gemahlin, über den Lokführer Wilson, der die erste Eisenbahn in Deutschland von Nürnberg nach Führt gesteuert hat und jetzt einer der Prominenten ist, die hier auf St. Johannis begraben sind. Er berichtet über die Zeit als hier die Pest grassierte, zeigt uns ein Grab mit einem Totenschädel, dessen Unterkiefer sich schön bewegen lässt.... Voll cool dieser Vormittag auf dem Friedhof. Habe etliche spannende Bilder mitgebracht.....

Hier kommt ihr zu einer Foto Galerie vom St. Johannisfriedhof in Nürnberg

St. Johannis Friedhof in Nürnberg

Nachmittags radelt Susanne dann noch mit Andreas nach Fürth, ich sichere Fotos im WOMI und mache mal wieder ein schönes Mittagsschläfchen. Abends kochen wir nochmals zusammen, verabschieden uns dann von Anja und Andreas und fahren zum Stellplatz am Silbersee, von wo aus ich am nächsten Morgen in aller Herrgottsfrühe aufbreche, um den alten Güterbahnhof zu erkunden. Auch von dort habe ich einige coole Aufnahmen mitgebracht. (der hier patroullierende Sicherheitsdienst hat mich zum Glück nicht erwischt...., hätte sonst auch eine heftige Strafanzeige gegeben) NO RISC NO FUN !!!! oder, je öller je döller...hahaha

Hier kommt ihr zu einer Foto Galerie vom alten Güterbahnhof in Nürnberg:

Nach dem Frühstück machen wir uns auf den Weg zu Freunden nach Irmelshausen in der Rhön, nahe der alten Innerdeutschen Grenze. Monika und Rainer haben sich vor Jahren ein kleines Fachwerkhaus un außerhalb des Dorfes liegendes 0,8 ha großes Grundstück gekauft. Dort haben wir uns mit dem WOMI hingestellt. Wir chillen erst gemeinsam bevor wir bei immer noch sommerlich warmen Wetter gegen Abend am Lagerfeuer grillen. Echt der Hammer, dass wir das Ende September noch erleben können.

Güterbahnhof

 

,
2018 - all rights reserved by Joe Derschka