Vacation 07/2016 - Blackmore's Night - Wilhelmshöhe - Ghost Church - Weimar - Wartburg - Susanne und Joe

Oh

Wir verbringen eine ruhige Nacht nahe dem Fluss Werra. Am nächsten Morgen schlendern wir nochmal durch Creuzburg, da entdeckt Susanne plötzlich eine riesig große, besonders schöne Raupe. Hammer!!! Wir fahren zurück Richtung Kassel, um Katrin, Cadé, Merle und Tomke zu besuchen. Seit Jahren wollen wir gemeinsam nach Kassel zur Wilhemshöhe fahren, um uns die imposanten Wasserspiele anzuschauen, hat aber bislang immer an einer Terminabsprache gehapert.

Als wir in Kaufungen ankommen machen uns zwei kalbende Kühe, besser gesagt Katrins miserabele Rechenkünste - hat sie sich doch glatt um 4 Wochen! mit den beiden Geburts-Terminen verrechnet, einen Strich durch unsere Wochenend-Planung. Einer Kuh geht es gar nicht gut, der Tierarzt muss kommen. Wir chillen halt gemeinsam, gehen zu einem kleinen Mittelalter-Markt, Merle und Tomke wollen immer wieder Geschichten von Joe hören, wir verschieben halt unseren Ausflug zur Wilhelmshöhe auf Sonntag. Das Wetter ist zwar eher regnerisch, an den einzelnen Stationen der Wasserspiele bricht aber immer zum richtigen Zeitpunkt die Sonne durch. Echt beeindruckend was die Bau- und Gartenkünstler hier in den 1680er Jahren angelegt haben. Nicht umsonst zählen die Wasserspiele seit 2013 zum Weltkulturerbe.

Lieben Dank an Katrin und Cadé, war ein schönes Wochenende bei euch. Merle und Tomke freuen sich jetzt auf ihren Kinderurlaub, Susi und Joe fahren weiter durch das Erzgebirge, passieren Thüringen und Sachsen, ihr Ziel ist das gut 400 km entfernte Lukova in der Tschechische Republik.

Joe ist ja seit einiger Zeit von sogenannten "Lost Places" fasziniert - in Lukova hat der Künstler ..... in der St. Georg Kirche geisterhafte wirkende Hüllen aus Gardienenstoff und Gips erstellt. Auf diversen Internetplattformen tauchen immer wieder beeindruckende Fotos dieses, auch als "Ghost Church" bezeichnete Kunstprojektes auf, über Spendengelder wird der Erhalt dieser kleinen Kirche gefördert. WOW, wunderschön die Gegend um das 50- Seelendorf Lukova. Von weitem erblicken wir den Kirchturm, eine recht lange Pappelallee liegt an dem kleinen Wirtschaftsweg, dahinter ein riesiges Mohnfeld. Plötzlich endet die Strasse und eine grobe Schotterpiste geht steil bergauf. Mir schießen die Erinnerungen an einen Lost Places Tripp zusammen mit Alina durch den Kopf, wo wir uns mitten in der Pampa in einem Wald mit dem WOMI festgefahren hatten. Zum Glück taucht nach einigen Metern die Kirche auf, wir können dort auf einer ebenen Grasfläche stehen, werden dort auch die Nacht verbringen - zusammen mit den Geistern. Vollmond haben wir auch, also ein perfektes Scenario.

Susanne und ich erkunden erst einmal den kleinen Friedhof, welcher sich rings um die kleine Kirche hinzieht. Zahlreiche Grabstellen sind verfallen, Erinnerungen an diesen besonderen Friedhof in Moustiers in Frankreich werden wach. Um 18:00 Uhr treffen wir Juri, der uns Zutritt in die Kirche verschafft. Ganz stolz zeigt er uns ein Gästebuch, indem sich Besucher aus aller Herren Länder verewigt haben. Begeistert vom ersten Eindruck versuche ich das auf Bildern festzuhalten, was sich hier auftut. Vor lauter Euphorie knippse ich drauf los ohne auf die Kamaraeinstellungen zu achten. Nach einiger Zeit merke ich aber doch, dass die ISO Werte viel zu hoch sind und es doch richtiger wäre mit dem Stativ zu arbeiten. Bin ganz schön aufgeregt und leicht nervös. Drei weitere Besucher erscheinen, ich hätte mich lieber noch ein paar Stunden freier bewegen können, hatte mir im Vorfeld so einiges an gestalterischen Aktionen überlegt. Anyhow - sind einige hammer Fotos dabei rausgekommen. Vielleicht komme ich ja nochmal zusammen mit Alina ein weiteres Mal hier her um einiges mehr Umzusetzen. Ich habe nicht gefilmt, nicht eine Kerze angezündet.... Aber wie gesagt - habe einiges von dieser besonderen Stimmung einfangen können.

Im Schutze der anwesenden Geister verbringen wir eine ruhige Nacht. Nach dem Frühstück gehen wir nochmals zu dem wenige Meter entfernten Mohnfeldern. Jetzt weiß ich auch warum aus Mohn Rauschmittel hergestellt werden. Mehr und mehr komme ich in einen Rauschzustand, einfach nur überwältigend die Bilder die sich uns auftuen. Wir können uns nicht sattsehen - rote und helle Mohnblüten, kleine und dicke Mohnkapseln, dazwischen mal Mageritten, Kornblumen und andere blühende Kräuterpflanzen. Nie hätte ich gedacht, dass mich dieses formen- und farbenprächtige Mohnfeld so in seinen Bann ziehen könnte.... Rauschbenommen chillen wir nochmals einige Zeit, bevor wir unsere Reise fortsetzen.

Susi hatte sich auf der Fahrt nach Lukova einige interessante Stellen gemerkt die wir nun anfahren. Einen Lost Place finden wir nicht wieder, eine Burgruiene ist ganz nett, aber kein Ort an dem wir übernachten wollen. So gehts zurück nach Deutschland, wir bleiben Nahe Klingental an einem Stausee auf einem Waldparkplatz stehen. Wir müssen uns erst einmal an die Temperaturen um die 30° C gewöhnen, sind ganz schön geschafft.

Am nächsten Morgen fahren wir nach Burgk, dort im Thüringer Wald hat Susanne ein ganz ansehnliches Schloss ausfindig gemacht. Und in der Tat, es lohnt sich, sich diese imposante Anlage mit ihren zahlreichen Kostbarkeiten zu besichtigen. Als wir uns später noch einen Pavillion in der Gartenanlage anschauen wollen ruft Susanne plötzlich: da, eine Schlange! Ich sehe sie noch weghuschen, entdecke sie aber ein Stück weiter zwischen Blättern und Geäst, bevor sie sich von dannen schlängelt. WOW, hab mir schon einige Male gedacht, dass, wenn es hier Schlangen gibt, sie bei solch warmen Temperaturen auch unterwegs seien müssten. Und in der Tat - wieder einmal hat Susi eine enddeckt!!! Direkt hinter den asphaltierten Parkplätzen ist noch ein weiterer Rasen-Stellplatz, wir richten es uns dort als Einzigste gemütlich ein, genießen den Abend. Zum Sonnenuntergang erklimmen wir noch den 43m hohen Aussichtsturm und bewundern später den aufgehenden Vollmond.

Nach einer ruhigen Nacht werden wir durch Regengeprassel auf unserem WOMI Dach geweckt. Shit - wars das mit dem Sommer? Nach einem ausgedehnten Frühstück nutzen wir das Regenwetter, um das WOMI ein wenig zu putzen, die Markiese hatte es mal nötig. Als wir dann gegen Mittag losfahren wollen springt das WOMI nicht an. Die Batterie hat Power genug, der Anlasser sagt aber nicht einen Mux. Nur ruhig bleiben, es gibt ja den ACE. Nach ca. 45 min. ist das Servicefahrzeug auch schon da. Motorhaube auf, Zündschlüssel umgedreht und die Kiste läuft wieder! Ich steh' ein wenig bedeppert da, der nette Herr meinte aber zu meiner Beruhigung, dass soetwas schon des Öfteren vorgekommen ist...

Weiter geht unsere Reise nach Weimar. Auf Grund einer Umleitung schickt uns das Navi kreuz und quer durch Jena, dann finden wir den Stellplatz in Weimar's Innenstadt nicht - nicht ein Hinweisschild, die Nerven liegen blank. Aber die Medalie hat immer zwei Seiten - Joe fährt aus der Stadt heraus und wir landen auf dem großzügigem Parkplatz vom Schloss Belvedere nebst interessantem, schönen Schlosspark. Wir übernachten hier und machen uns am nächsten Tag auf in Weismars historische Innenstadt. Der Eindruck, den wir Tags zuvor von den Randbezirken bekommen hatten, täuscht kollosal. Das Zentrum bietet an allen Ecken historische Bauwerke, Schiller, Goethe und List haben viele Jahre ihres Schaffens in Weimar verbracht, aber auch kulinarisches und touristisches findet Platz. Offene Pferdekutschen bringen Touristen an die sehenswerten Plätze, der Glockenturm vom historischen Rathaus ist doch glatt mit 36 Glocken aus original Meißner Porzelan bestückt. Als ich um 15:00 Uhr das zarte Glockenspiel mit meiner Kamera aufzeichnen will, stimmen die anwesenden Marktleute beim Abbau ihrer Marktstände mit heftigem geklapper der Melodie bei.

Spätnachmittags fahren wir weiter nach Eisenach, wo wir uns die Wartburg ansehen wollen. Ein weiteres UNESCO Kulturerbe nach den Wasserspielen der Wilhelmshöhe. Der vorab ausgesuchte Stellplatz entspricht gar nicht unseren Erwartungen, so fahren wir direkt hoch zur Wartburg. Wir sind zwar ziemlich unsicher, überall im Ort unterhalb der Burg stehen Hinweisschilder auf Parkplätze, aber mitten in der Stadt übernachten - wir rikieren es einfach. Und wie schon in Weimar erweißt sich dieser Plan trotz angespannter Situation als absolut Perfekt. Auf dem Parkflächen unterhalb der Burg stehen schon einige WOMI's, wir gesellen uns dazu, Joe unternimmt direkt noch einen Abendspaziergang hoch zur Burg. Von wegen Abendspaziergang, die zahlreichen Treppenstufen bringen mich ganz schön außer Atem. Entschädigt werde ich durch einige wunderschöne Fotoaufnahmen, die langgestreckte Burganlage ist beleuchtet und erscheint ganz besonders beeindruckend.

Nicht nur das äußere Erscheinungsbild der Wartburg ist beeindruckend. Die Innenräume und die super vorgetragene Information über die Erbauung und das weltliche Geschehen auf der Burg haben uns gleichermaßen fasziniert. Echt selten, dass mich eine Führung durch ein Museum, eine Burg oder Schloss so begeistert hat und uns vielerlei Historisches näher gebracht hat.

Es hat mich sogar angespornt, mich mit der Kunst des Dichtens und Reimens näher auseinander zu setzen, ja, gar selber literarisch aktiv zu werden. Hier mein Lieblingsvers von Goethe: "Wer nicht mehr liebt und nicht mehr irrt, der lasse sich begraben."

Und hier mein erster, eigener Reim: "Schiller, Goethe, Luther, alles ist in Butter..." (Autogrammwünsche bitte per Mail oder an meine Adresse)

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