Vacation 09/2015 - Mosel Burgen - Susanne und Joe

Irgendwie fühlt es sich an als wäre unser Provenceurlaub im Juni bereits im letzten Jahr gewesen, dabei sind gerade mal 3 Monate vergangen... Anyhow, Zeit um wieder mal mit unserem WOMI für ein paar Tage loszufahren. Annette und Rainer wie auch Nina, Victor und Vincent waren einige Male mit dem WOMI unterwegs, haben ihre Kurzreisen genauso genossen wie wir das immer tun.

Diesmal stand das Elbsandsteingebirge oder eine Burgentour an Rhein und / oder Mosel zur Auswahl - wir haben uns für eine Burgentour an der Mosel entschieden. Samstagmorgen geht's los, Mittwochabend müssen wir wieder zurück sein. Susanne hat ja zum 01. Oktober eine neue Stelle im Altenwohnheim Ennigerloh bekommen. Die Fahrerei nach Oelde hat sie in der letzten Zeit mehr und mehr gestresst, jetzt sind's nur noch 2 - 3 Gehminuten von unser Wohnung entfernt.

Durch Zufall hab ich im Internet eine Website gefunden, auf der ein burgenbegeisteter Mensch alle möglichen Infos zu Burgen an Rhein und Mosel zusammengetragen hat. Ich habe mir zwei seiner Infohefte bestellt und eine Route entlang der Mosel geplant.

Naja, meine Planung war wohl nicht ganz so sorgfältig gewesen wie gedacht. Sind bis Koblenz ganz zügig durchgekommen, als wir von der Autobahn abgefahren sind tauchte sofort die erste Burgruine auf. Wow, wir freuen uns richtig auf unseren Urlaub und auf die Burgen! Burg Thurant in Alken war unser erstes Ziel, wir konnten nur nicht den schönen Stellplatz direkt am Moselufer finden (sorgfältige Planung????). Was soll's, wir haben das WOMI erst mal am Seitenstreifen geparkt und haben uns auf den Weg zur Burg Thurant gemacht, die imposant über den Weinbergen zu sehen war.

Nach einer knappen halben Stunde standen wir vor der, aus dem 12ten Jahrhundert stammenden Burg. Sie erscheint zwar auf den ersten Blick recht lang gezogen, im ganzen ist Burg Thurant aber recht überschaubar. Kleine Natursteinwege und teilweise hölzerne Treppen führen uns vorbei am kleinen, netten Steingarten hinein in die Anlage. Burgkapelle, Weinkeller, Wappenzimmer, Jagdhaus, Pferdestall und einen Turm können wir besichtigen, ein Herren- und ein Gästehaus, welches man sogar mieten kann, wird vom Eigentümer der Burganlage selbst genutzt. Alle Räume, Wege, Treppen und Wehrgänge sind eher klein, verspielt und gemütlich.

Naja, ging hier bestimmt nicht immer gemütlich zu. In einem der beiden Türme befinden sich doch glatt diverse Folterwerkzeuge wie Streckleiter, Arm- und Beinschrauben, Klinge und Strafbock, mit denen Zunge, Genitalien oder auch schon mal der Kopf abgetrennt wurden. Im Burgverlies sieht man dann auch das Resultat dieser kaum vorstellbaren Brutalität - echte, menschliche Knochen aus dem späten Mittelalter.

Oh man oh man, muss das erst mal sacken lassen. Mein Magen knurrt zwar ganz schön, nach einem leckeren Abendessen ist mir aber erst mal nicht zu mute. Wir nehmen nun den Weg durchs kleine Dorf und bemerken jetzt erst so richtig den Charakter dieser Gegend - alles dreht sich hier um den Wein. Weinkeller, Weinmuseum, Probierstuben, Pensionen u.s.w. Wir fahren ein paar Kilometer weiter entlang der Mosel und finden durch Zufall einen echt ruhig gelegenen Parkplatz für WOMI's. Jetzt schmeckt auch das Wildschweinragout mit Spätzle und Rotkohl wieder...

Hier in Brodenbach, wo wir eine ruhige Nacht verbracht haben, liegt die Ehrenburg. Was für ein erneuter Zufall, Victors neue Band ALMANAC werden hier höchstwahrscheinlich Ende Oktober einen Musikvideo für das neue ALMANAC Album drehen. Schon in 2013 führte uns unsere Urlaubsreise zum Lago Maggiore an Gelnhausen vorbei, wo 3 Tage nach unserem Abstecher LINGUA MORTIS ihren Video "Cleansed By Fire" gedreht haben. Unter diesem Aspekt schauen wir uns die Burg noch genauer an. Das Wetter hält jetzt auch das was der Wetterbericht vorhergesagt hat - blauer Himmel und angemehm mild!!! Im Vergleich zur Burg Thurant ist die Ehrenburg schon ein mächtiger Klotz, bestehend aus mehreren Sicherungsmauern, Vorburg, Rampenturm und Bergfried. Hier wurde seit dem Entstehen der Burganlage um 1150 so manche Schlacht geschlagen. Der Rampenturm, auch Kanonenturm genannt, hat doch glatt 4,5 Meter dicke Mauern und war so selbst gegen feindliche Kanonenkugeln gesichert. Genutzt hat's aber irgendwann doch nichts, so haben irgendwann die Franzosen die Burg eingenommen und binnen kürzester Zeit einen Jahresvorrat an Wein leergesoffen. Danach haben sie große Teile der Burg zerstört. So finden wir hier wenig an Räumlichkeiten aus dem Mittelalter, dir Burg selbst ist aber schon recht imposant. Genutzt wir die Burganlage heute vom Freundeskreis der Ehrenburg e.V., welche alte Handwerkskünste, Ritterturniere, Gauklerfeste u.s.w. organisieren.

Weiter geht's nach Cochem zur Reichsburg. Hier zeigt es sich ein weiteres Mal, dass ich mich nicht allzu gut vorbereitet habe. Die Suche nach einem Stell- oder Campingplatz ist schon etwas nervig, bringt uns aber erste fantastische Ausblicke auf die Reichsburg Cochem. Wir nennen die Burg aber "Harry Potter" Burg, könnte wirklich ein kleineres Abbild von Hogwards sein...

Wir landen auf einem Campingplatz am Moselufer, teuer zwar, aber wir können von hier aus gut zu Fuß nach Cochem laufen. So erkunden wir die beeindruckende Burganlage schon mal bei Abenddämmerung. WOW, einfach faszinierend diese vielzinnig und türmereiche Burg aus dem 11. Jahrhundert. Leider wurde die Burg 1689 von den Franzosen in Brand gesetzt und gesprengt. Erst im 19. Jahrhundert erwarb der Berliner Kaufmann Ravené das Anwesen und lies es Anhand eines Kupferstichs aus dem 16. Jahrhundert wieder aufbauen. Er nutzte die Burg mit seiner Familie als Sommersitz, während er in den Wintermonaten das kulturelle Angebot Berlins vorzog. Nicht zu fassen was sich einzelne Menschen immer wieder für einen Reichtum anhäufen, auf Kosten Anderer...

Wir schlendern noch durch Cochem und gönnen uns in einem Weinkeller Flammkuchen und für Susi ein Glas Rose. Heute Nacht ist ja eine Mondfinsternis, der Vollmond steht schon prächtig da,hab's aber nicht geschafft um 04:00 Uhr aufzustehen um dieses Schauspiel abzulichten.

Gut ausgeschlafen machen wir uns erneut auf den Weg zur Burg und nehmen an einer Führung teil. WOW, ist die Burg riesig, in den Innenhöfen und den großen Räumlichkeiten hab ich immer wieder Zeit und Raum um alles im Bild festzuhalten. Das Mobiliar nebst Kunstschätzen stammt zwar überwiegend aus dem Besitz der Familie Ravené und nicht aus der Jahrhunderten alten Geschichte der Burg, ist aber imposant anzuschauen. Seht selbst......

Später kehren wir noch unterhalb der Burg im italienischen Bistro / Restaurant ein. Die Lasagne schmeckt ausgezeichnet, der Blick auf die Burg ist nicht zu toppen. Weltklasse, wie die Creperie in Rougon!!!

Spätnachmittag geht's weiter entlang der Mosel, wir landen in Münstermaifeld auf einem kleinen, ruhigen Parkplatz am Schwimmbad. Auch dieser, etwas abseits der Mosel gelegene Ort mit beeindruckender Fernsicht, bietet reichlich Historisches, nicht nur Burgen. Abends spielen wir noch Rommee und würfeln noch ne Runde bevor's ins WOMI-Bett geht.

Heute steht die erste längere Wanderung zu einer Burg an. Burg Eltz liegt etwas 7 - 8 Kilometer von Münstermaifeld entfernt, wir müssen allerdings erst einige Kilometer an einer Landstrasse entlang laufen. Naja, manchmal bergen ja augenscheinlich nicht so schöne, interessante Dinge etwas ganz besonderes, man muss Sie nur entdecken.

Als wir eine kleine Pause einlegen (ich muss mal pinkeln, Susi muss bei ihrem neuen Arbeitgeber nach ihren Arbeitszeiten nachfragen) liegen da dicke, vom Sturm abgebrochene Baumstämme. "Irre, wie schnell da wieder Sprösslinge aus dem Baum wachsen, hab das schon öfters bei Weiden gesehen." "Das sind keine frischen Triebe, das sind Misteln", erwidert Susi. Ich werd verrückt!!!!! Seit Jahrzehnten faszinieren mich diese Misteln in den Bäumen, hab sie schon mehrfach fotographiert, seit Jahren will ich gerne so eine Mistelkugel haben, wusste aber nie wie ich das anstellen konnte. Und nun, da liegt ein frisches Exemplar direkt vor meiner Nase, brauch mich nur zu bücken. Ein paar kleine Ästchen waren schon abgebrochen. Misteln kenn ich eigentlich seit dem Englischunterricht aus der Schulzeit. Christmas, Turkey and Misteltrees..... hahaha Und Küssen soll man sich unter Mistelzweigen. Haben wir natürlich sofort gemacht!!!!! Wir sind am nächsten Tag vor unsere Heimreise nochmal hier vorbeigefahren und haben die ganze Kugel abgeschnitten und mit nach Hause genommen - hängt jetzt Draußen vor unserm Fenster.

Mit den Mistelzweigen in der Hand geht's weiter, ab einem größeren Parkplatz wandern wir an einem wunderschönen Weg entlang, wir hören den kleinen Fluss Elz dahinplätschern (die Burg hat übrigens ihren Namen nach diesem Fluss bekommen) und plötzlich taucht die Burg wie aus dem Nichts auf. Die Burg Eltz liegt inmitten eines hügeligen, wunderschönen Waldgebiet in einem Taleinschnitt auf einer Felserhebung. Wohl auch ein Grund warum es eine der wenigen Burgen Europas ist die nie in irgend einer Weise zerstört wurden. Die Burg Eltz befindet sich seit über 30 Generationen in Familienbesitz, war eher Wohnort mehrerer Familien und keine klassische Ritterburg. Über Generationen wurden alle erdenklichen im Alltag benutzten Gegenstände gesammelt und so birgt die Burg eine der weltweit bedeutendsten privaten Schatzkammer.

In der Tat, vom handgeschnitzten, farbenfroh bemaltem Bett (Hochzeitsgeschenk aus dem 15. Jahrhundert), riesigen Wandteppichen, Ritterrüstungen, hunderte von historischen Waffen, wunderschöne Schmiedearbeiten und Schmuck, Porzellan, Ölgemälde und Jagdtrophäen, hier wandeln wir praktisch durch ein Museum. Das ist auch der Grund warum wir nicht fotografieren dürfen (einige wenige Schnappschüsse hab ich aber doch gemacht...hahaha).

Hätten wir nicht gedacht, dass jede der bislang 4 Burgen die wir besichtigt haben einen völlig unterschiedlichen Charakter haben.

Beeindruckt von Burg Eltz wandern wir wir wieder zurück, nehmen dies mal den Weg entlang an der Elz. WOW, echt klasse hier!!! Die letzten Kilometer über freies Feld sind bei dem heftig aufkommendem Wind schon anstrengend - Susi kann nicht mehr... Wir bleiben nochmal eine Nacht auf dem ruhig gelegenen Parkplatz vorm kleinen Freibad.

Heute geht es zurück, spontan entscheiden wir uns doch noch zur nahegelegenen Burg Pyrmond zu fahren. Nach wenigen Kilometern parken wir auf einem kleinen Parkplatz an der Pyrmonter Mühle. Nach wenigen Minuten treffen wir auf den Pächter der Mühle und er verrät uns einen kleinen Weg abseits der Route zur Burg Pyrmond, dort hätten wir einen schönen Ausblick auf den Wasserfall, die Mühle und die Burg. In der Tat ein fantastisches Panorama!!!

Auch dieser Wanderweg ist kaum zu toppen, kommen wir doch an einigen Felswanden vorbei auf denen sich eine stattliche Anzahl an Echsen tummeln und in der warmen Sonne aufwärmen. Susi entdeckt sogar eine Schlangenhaut!!! Wir fühlen uns in unseren Lago Maggiore Urlaub versetzt, sind aber in Deutschland!!!

Die Burg kann dann allerdings nur an den Wochenenden besichtigt werden, hier war ganz klar der Weg das Ziel. Zurück an der Mühle gönnen wir uns nochmal ein Mittagessen. Susanne bevorzugt Cappuccino mit Kuchen, ich bestell mir das Parasolpilzschnitzel mit Rauchnudeln und Salat. Als das Essen kommt vermisse ich auf dem Schnitzel die Pilze, frage bei der leicht verpeilten, netten Kellnerin nach. Jetzt hab ich mich aber blamiert - das Schnitzel ist der Pilz!!!! Wir erinnern uns an einen Urlaub im Harz als Pilzesammler uns über diesen riesigen Speisepilz aufgeklärt hatten der dort an einigen Stellen wuchs. Meine Bitte meinen Slapstick nicht weiter zu erzählen kam dann auch noch zu spät. Die Kellnerin hatte es schon mit Freude in der Küche weitergegeben....

 

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