Vacation 06/2015 - Provence Teil 3 - Susanne und Joe

Unsere Idee war es hoch zu dem Ort mit den Indianer - Tippies zu fahren, dem Platz, von dem Alina im letzten Jahr ihren Paragleiterflug gestartet hatte. Sind kaum 20 km von Moustiers entfernt, liegt hoch oben in einer kargen, von Thymian - und Majoranpflanzen übersäten Bergregion. Susanne hatte aber im WOMO Reiseführer das 150 Einwohner zählenden Dorf Ste. Croix du Verdon, welches spektakulär auf einer Kuppe liegt, herausgesucht. Da wir das WOMI schon früh reisefertig hatten kamen wir gerade rechtzeitig am Tag / Nacht Stellplatz in Ste. Croix du Verdon an um in erster Reihe ein schönen Platz mit noch schönerer Aussicht auf den See zu ergattern. "Hier bleiben wir eine Nacht" war unsere einhellige Meinung.

Gleich sind wir durch das kleine Dörfchen geschlendert und sind anschließend weiter runter zum Strand. War ganz gemütlich dort, die Preise für Crépes, Kaffee und Eis weitaus günstiger als gewohnt. Je länger wir dort waren füllte sich der beliebte Badeplatz - zu unruhig für uns "Nichtschwimmer". Wir sind wieder hoch ins Dorf, da fliegt, besser gesagt segelt doch glatt ein seltener Segelfalter-Schmetterling um uns herum. Wir glaubens kaum, unfassbar!!!!! Es sind zwei Exemplare die immer wieder um meinen Kopf und direkt vor mein Objektiv fliegen, so als würde der Schmetti sagen: "jetzt drück doch endlich ab, oder soll ich noch mal vorbei fliegen, ehm - segeln???"

Wahnsinn, das müssen wir erst mal sacken lassen. Wir holen unseren Campingtisch- und Stühle heraus, Tischdecke ausgebreitet und die Blumenvase mit Susi 's gesammelten Pflanzen platziert. Es gibt noch mal Espresso und Eis, wir lassen die Seele baumeln... Susanne möchte gern nochmals runter zum See, ich gehe ins WOMI um die Schmetterlingsfotos zu sichern. Ein "piep-piep-piep" kündigt einen Reisebus an, der rückwärts auf den Womiparkplatz stößt. Plötzlich ein reges geschnatter - der Reisebus hatte Japanische Touristen an Bord. Und als Erstes haben die jungen Leute wohl Susi 's Blumenstrauß entdeckt. Zuerst ein paar zaghafte Handyfotos aus sicherer Entfernung, dann werden die Leute aber immer mutiger: ein junger Mann setzt sich in den Campingstuhl und lässt sich mit Blumenstrauß ablichten. Eine junge Frau ist noch mutiger: sie nimmt die Vase vom Tisch und geht ein paar Meter weiter um sich mitsamt dem See im Hintergrund ablichten zu lassen. Ich lach mich schlapp.... Tja, ich bin ja auch immer so unterwegs - also schnell das Fliegengitter eingefahren, das Fenster noch höher aufgeklappt und ebenfalls das Schauspiel fotografiert. Erst nach einiger Zeit bemerken die Japaner meine Anwesenheit - ich zeige ihnen "thumbs up" und gemeinsam schmunzeln und photographieren wir lustig weiter. Nach ein paar Minuten entdecken die nächsten Touries den Blumenstrauß und das Schauspiel startet von neuem. Derweil sitze ich vor dem Laptop und schreibe diese filmreife Slapstick-Szene auf. Was ein Spaß!!!!!!! Noch bevor ich die letzten Zeilen geschrieben habe ertönt wieder das "piep-piep-piep" und der Reisebus macht sich mitsamt der Japanischen Touristen auf zur nächsten Attraktion...

Obwohl diese asphaltierten Park + Stellplätze nicht zu meinen Favoriten gehören ist dieser hier echt kultig - wenn man in der ersten Reihe steht. Unsere Nachbarn sind ein schätzungsweise achtzig-jähriges Ehepaar aus England, echt tuff die Beiden. Reisen seit ihrem Rentnerdasein mit ihrem ersten WOMI durch die Lande, zeigen uns stolz all ihre Aufkleber. Wir schlendern Abends nochmal zum Dorf, beobachten die Boggia-Spieler, sicherlich manche Profies unter ihnen. Da plötzlich sehen wir über uns ein echt seltsames, krasses Geschöpf fliegen. Ich denke gleich an eine Invasion aus dem Weltall..., so etwas haben wir noch nie gesehen. Wie sich ein paar Tage später herausstellt handelt es sich wohl um einen "La Rosalie" Käfer.

Heute ist unser Hochzeitstag - der Dritte. Hier in der Provence im Urlaub zu sein ist schon ein schönes Hochzeitstagsgeschenk, ein weiteres, ganz Besonderes haben wir in Moustiers Ste. Marie bei dem Faience Künstler Bruno Louis erworben. Er produziert wohl als einer der wenigen Faience - Handwerker keine Massenware, sondern kreiert mit seinem ganz besonderen, etwas surrealistisch angehauchtem Stil Unikate, die weltweit ihre Liebhaber finden.

Vielleicht ist dem Ein- oder Anderem von euch aufgefallen, das wir gar nichts von der geplanten Wanderung durch die Schlucht von Verdon berichtet haben. Susanne hat festgestellt das sie überhaupt nicht mehr schwindelfrei ist. Selbst ein fast einmeter breiter Weg entlang eines Abgrundes lässt sie heftigst erzittern und krampfhaft nach Buschwerk an der Felswand suchen. Urlauber vom Campingplatz haben uns berichtet, das die Wanderung durch die Gorges de Trévans ebenso reizvoll aber weniger anstrengend sein soll wie die durch die Verdonschlucht. Also los geht 's in Richtung Digne, planen aber nochmals einen Abstecher durch Valensole ein. Jaaaaa, da sind sie ja die ersten blühenden Sonnenblumenfelder, eingerahmt vom lila-farbendem Lavendel (und Japanischen Touristen...) Was für ein Kontrast!!!!Wir halten ebenfalls an und schießen etliche (gestellte) Fotos.

Die Mittagspause verbringen wir abseits der Landstrasse mit herrlichem Blick auf ein Lavendelfeld. Markise rausgefahren, Tisch und Stühle aufgestellt und in kaum mehr als 10 Minuten habe ich meinem Schatz ein Hochzeitstagessen hingezaubert. Frische Bandnudeln mit gedünsteten Auberginen, Tomaten und leicht angeschmolzenem französischem Ziegen-Weichkäse bedeckt.

Nach Espresso und Mandel-Nougat geht 's dann weiter in Richtung Digne - wir folgen den Anweisungen unseres Reiseführers. Nach einer 5 km langen Strecke, auf der uns hätte nicht einmal ein Fahrradfahrer entgegen kommen dürfen, erreichen wir den Wanderparkplatz in äußerster Einöde. Wow, so einsam haben wir noch nie gestanden. Trotz des hin- und wieder aufkommenden Unbehagens ist 's aber einfach ein besonderes Erlebniss hier zu stehen und zu übernachten. Die hohen, uns umgebenden Berge und das Geplätscher des nahe gelegenen Flusses versetzten uns in äußersten Ruhemodus und lassen uns tief und fest schlafen.

Frisch geduscht, angenehmere Temperaturen als gestern Nachmittag, keine lästigen Fliegen, Frühstück mit reichlich Kaffee lassen uns diesen Platz in noch schönerem Licht erscheinen als Tags zuvor. Ich bemühe hier immer wieder Superlativen, manch einer mag denken der Joe hat ja ne blühende Fantasie (so wie Susanne, als sie die Zeilen über die Japanischen Touristen und den Blumenstrauß gelesen hatte ohne die Beweisfotos gesehen zu haben). Auch wissen manche von euch das ich gern mal nachträglich ein Foto verändere: diese hier (bis auf zwei - wisst ihr welche???) sind alle von mir persönlich geschossen und nicht gefaket!!!!

Wir machen uns auf die Wanderung durch die Gorges de Trévans. Im Reiseführer ist diese Tour mit ca. 3 Stunden angegeben, wir sind mehr als 5 Stunden unterwegs. Zum Einen bleiben wir immer wieder stehen um dieses eindrucksvolle Berg - Panorama zu bestaunen, dann halten wir wieder mal am Flussufer um unsere Füße zu baden. Weitere Zeit nimmt es in Anspruch, Susanne etliche male Hand in Hand an schmalen Wegpassagen vorbei zu geleiten. Mit dem Blick hinunter in das "Tal des Todes" hätte Susanne auch diese Strecke nie alleine bewältigen können. Irgendwann trauen wir unseren Augen kaum, steht da keine hundert Meter von uns entfernt ein echt kapitaler Hirsch auf dem Wanderweg. Was für ein riesen Brocken - trotzdem sprintet er wie nichts den recht steilen Hang hinauf. Eine unvergesslich schöne Tour durch eine atemberaubende Landschaft.

Nochmals frühstücken wir auf diesem außergewöhnlichem Platz, bevor wir uns auf den Weg Richtung Sisteron machen. Im WOMI Reiseführer wird eher von WOMI Feindlichen Stadtangestellten geschrieben, wir wagen uns aber durch schmale Straßen hinauf zur Zitadelle. Ab und an muss ich schon ne gehörige Portion Coolness an den Tag legen, manch einer würd da nicht mal mit nem PKW herfahren wo ich das WOMI manchmal hersteuere. Oberhalb der Zitadelle neben dem riesigen Friedhof bleiben wir stehen und besichtigen als Erstes die Zitadelle von Sisteron. Ich hab diese hoch oben auf einem Felsen liegende Festungsanlage schon im letzten Jahr bei der Vorbeifahrt gesehen. Von Unten sieht sie aber bei weitem nicht so imposant und riesig aus wie sie jetzt vor uns liegt. Die Umwallungen erstrecken sich über ein riesiges Areal und über mehrere Ebenen bis hoch zur Kapelle Notre-Dame. Überall Wehrgänge, Festungs- und Aussichtstürme, Kerker, Geheimgänge über 365 Stufen hinab in die Altstadt von Sisteron. Nach Crepés und einigen Besorgungen geht 's weiter in Richtung Gap, kurz vorher biegen wir aber ab und übernachten auf einem kleinen Campingplatz, in Sichtweite die Französischen Alpen um Grenoble.

Obwohl ein 3 Sterne Campingplatz gibt 's nicht mal Entsorgungsmöglichkeiten und auch kein frisches Trinkwasser. Naja, wir behelfen uns und fahren gemütlich über kleine Landstraßen vorbei an Gap, durch Grenoble weiter in Richtung Norden. Wow, wie geil ist diese Bergwelt mit den Französischen Alpen. Hier unten 35 C°, dort oben schneebedeckte Gipfel. Wir genießen diese Panoramer in vollen Zügen, machen immer wieder mal ne Pause bis wir uns ein weiteres Mal für eine Übernachtung auf einem Campingplatz entscheiden. Diesmal landen wir auf einem 4 Sterneplatz, ist aber nur 2 Euro teurer als der Platz gestern. Der Highlight: hier kann man anstatt ner normalen Pizza eine Halbe bestellen, dafür aber zusätzlich mit gemischtem Salat auf dem Teller, und das für einen niedrigeren Preis als die normale Pizza gekostet hätte. Genau das Richtige für Susanne. Ich esse wieder eine Pizza mit 4 verschiedenen Käsesorten, mein neuer Favourit.

Nachfolgend Bilder von unterwegs....

Und hier ein nicht ganz ernst gemeintes Resümee von Susanne: "am meisten haben mir die wunderschön gestallteten Kreisverkehre in Frankreich gefallen - und nächstes Mal gehen wir in eine Pension, aber voll klimatisiert...." hahaha

Ach ja, haben auf einer unserer Wanderungen auch einen "Lost Place" entdeckt. Hier ein Link zu den Fotos.....

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