Vacation 09/2014 - Champagne - Susi und Joe
Urlaub in der Champagne

Juhuuu..., endlich ein gemeinsamer WOMI Urlaub von Joe & Susi - im Sommer war ich ja zusammen mit Alina in der Provence...

Statt der Lüneburger Heide geht's auf Grund nicht so stabiler Wetterprognosen nach Frankreich in die Champagne/Lothringer Region. Ganz gemütlich packen wir Fahrräder, Klamotten und Lebensmittel ins WOMI, schauen noch bei den Schwiegereltern vorbei (Heinz und Edeltraut wollen sich ja um Kätzchen kümmern), und ab geht's Richtung Luxemburg. Freitagnachmittag an Köln vorbei ist bekannterweise mit Staus verbunden, so schaffen wir es nur bis Bitburg, wo wir gut versteckt hinter einem Maisfeld die Nacht verbringen.

Erster Anlaufspunkt ist Giffaumont-Champaubert am Lac du Der, einem der größten Stauseen Europas, welcher im Herbst Rastplatz für 70-80.000 Kraniche auf ihrem Weg ins Afrikanische Winterquartier seien soll. Das riesige, neu angelegte Freizeit und Campingareal haut uns allerdings nicht so vom Hocker. Wir erkunden erst mal die nähere Umgebung entlang des Sees per Fahrrad und genießen die ersten Eindrücke wild wachsender Löwenmäulchen, wunderschöner Dahlienbeete und die so typischen Natursteinhäuser.

Leider landen wir auf einer nicht enden wollenden Landstrasse, biegen irgendwann leicht genervt auf einen Waldweg ab und stehen plötzlich vor einem Berg frisch gefällter Bäume: Kein Weiterkommen möglich, also wieder zurück. Mir kommen die Liederverse "...verirrten sich im Wald. Es war so finster und auch so bitter kalt" in den Kopf! Matsch und Mücken erschweren zudem die leicht angespannte Situation, wir finden aber irgendwann den Weg zurück zum Lac du Der.

Urlaub in der Champagne

Nach einem leckeren Frühstück incl. frischem Baguette entscheiden wir uns weiter in Richtung Süden zu fahren - der Frühnebel will einfach nicht verschwinden.

Wir landen in Colombey-les-deux-Eglises, wie sich später herausstellt hat hier Charles-de-Gaulle gelebt und wurde auch auf dem hiesigen Friedhof neben der Dorfkirche beigesetzt. Deshalb wohl die vielen Französischen Fähnchen an Mauerwänden und in den Geschäften. Größere Bedeutung haben für uns (ganz besonders für Susi) allerdings die netten Cafes - wir genießen Cafe Creme und nen Eisbecher. Der Stellplatz liegt mitten in dem kleinen Dorf, hat irgend wie ein besonderes Flair.

Susanne bekommt sogar Besuch von einem ehemaligen Gendarmen, der ihr bestimmt ne halbe Stunde lang (auf Französisch versteht sich...) was über seine damalige berufliche Tätigkeit, über den Ort Colombey, die Region Champagne und über die Zeit, die er während des Zweiten Weltkriegs in Deutschland verbracht hat. Während ich ganz gespannt in Victors neuem Buch lese versteht Susi nur Bahnhof, hört ihm aber interessiert zu. Er hinterlässt uns sogar seinen Namen und Anschrift in unserem Reisetagebuch und bittet uns ihm doch aus Deutschland eine Postkarte zu zuschicken, am liebesten eine von Angela Merkel.... hahaha

Nach einem weiteren Rundgang durch den Ort fahren wir weiter nach Châteauvillain. Die kleine Stadt sieht auf den ersten Blick ganz interessant aus. Wir parken an der alten Stadtmauern, trinken gemütlich Kaffee, mit nem Eis zusammen - versteht sich, und radeln dann durch den Ort. Bis auf ein paar metallene Ritter entlang eines Fahrradweges, einer schön bemalten Häuserfassade und kleine Bauerngärten ist der Ort allerdings von der so oft sichtbaren Landflucht geprägt. Kaum Jemand auf der Strasse anzutreffen, geschweige denn ein nettes Cafe oder Bistro das zu verweilen einlädt. Irgendwie lebt der Ort nicht mehr, mir bereitet so ein Anblick immer Unbehagen. Also schnell die Räder wieder aufgeladen und weg von diesen Ort. Da nützen auch die schützenfest ähnlichen Fähnchenreihen in den Strassen nichts...

Urlaub in der Champagne

Wir steuern die nächst größere Stadt an, folgen in Chaumont erst einem anderen Wohnmobil, verlieren es aber an einer Ampel. Schnell befinden wir uns inmitten des Verkehrstrubels, keine Hinweise auf irgend einen Stell - oder Campingplatz. Die Laune geht langsam den Bach runter. Rechts ran, Landkarte raus, siehe da, 30 km weiter ist ein Campingplatz verzeichnet. Ist genau das was ich jetzt brauche, WOMI abstellen und ein paar Tage Ruhe... Da wir uns ja so kurzfristig entschlossen haben nach Frankreich zu fahren, haben wir es nicht mehr geschafft uns entsprechende Reiseliteratur zu beschaffen. Auch multimedia-technisch sind wir nicht gerade auf dem neusten Stand...

Der Campingplatz in Andelot, geführt von einem Holländischen Paar, ist klein, gemütlich und nur wenig belegt. Wir finden eine Parzelle direkt an einem kleinen Bach, dahinter eine ansteigende Weide mit weißen und schwarz-bunten Kühen. Erst gönnen wir uns ne lecker Pizza, danach relaxen wir vor unserem WOMI. Bei Einsatz der Dämmerung flattern uns auf einmal recht große Fledermäuse um dir Ohren, echt geil.

Draußen zu frühstücken macht einen besonderen Reiz unseres Urlaubs aus. Wenn sich uns dann auch noch ein Eisvogel in wenigen Metern Entfernung zeigt ist das Glück perfekt. Noch kurz vor unserer Abreise habe ich Herbert noch erzählt, dass ich noch nie in meinem Leben einen Eisvogel gesehen hätte, und jetzt sitzt er da, zum greifen nahe. Natürlich nur einen ganz kurzen Moment, gerade lang genug um zu realisieren was da gerade passiert. Soll aber nicht die letzte Begegnung mit diesem wunderschönen Piepmatz gewesen sein...

Wir erkunden heute die kleinen Orte Signeville und Montot sur Rognon. Schon entlang der hügeligen Strassen gibt's viel zu entdecken. Ein schönes, altes Anwesen, Obstgärten (Susi deckt sich meistens mit ein paar Äpfeln, Birnen oder Pflaumen ein) bunt bemalte Häuserfassaden und die Bauerngärten, die groß oder klein immer wieder zu sehen sind und mich ganz besonders begeistern, erkenne ich doch als alter Gemüsebauer jede Sorte! Schade das diese Kultur bei uns in Deutschland kaum noch existiert. Der Hammer ist eine, zu einer Windmühle in Form geschnittene Heckenpflanze, echt cool...

Wieder zurück schmeißt Joe den Campinggasgrill an. Es gibt überbackene Sellerie- und Auberginenscheiben, Kürbisstreifen, sowie Bacon und Spiegelei. Susi ist begeistert!!!

Urlaub in der Champagne

Heute fahren wir mit dem WOMI zu einer etwas entfernter liegenden Attraktion, dem Cul du Cerf. Ist eine kraterähnliche Vertiefung in einem Waldgebiet, naja, muss man nicht unbedingt gesehen haben.

Lohnenswerter eher die Kirche in Étang de Reynel. Ein Schwalbennest unter der Stuckdecke, eine Baseballkappe neben dem Gebetbuch im Beichtstuhl (stell mir vor wie der Pfarrer mit der Kappe und Sultane wohl aussehen mag...) und ein Holzofen incl. einem Stapel Holz sind einige der Kuriositäten hier.

Waren drei schöne, erholsamen Tage auf dem Campingplatz du Molin. Der nächste Stellplatz wird aber alles toppen! In Froncles ist ein Grünstreifen zwischen dem Fluss Marne und dem Rhein-Marne-Kanal für ca. 15 WOMI's angelegt. Einige schöne Boote liegen am Pier, auf dem Bocciaplatz wird fleißig "gekugelt", ein schönes Blumenbeet direkt vor unserem Stellplatz, bei Kaffee und Kuchen schauen wir uns zurückgelehnt in unseren Campingstühlen das alles genüsslich an. Abends unternehmen wir noch einen kleinen Spaziergang entlang des Kanals als doch tatsächlich zwei Eisvögel von uns aufgeschreckt eiligst davon fliegen. Soll aber nicht die letzte Begegnung mit diesem wunderschönen Piepmätzen gewesen sein...

Heute müssen wir erst einige Schwierigkeiten überwinden bevor wir zur geplanten Fahrradtour entlang des Kanals starten können. Susis Fahrrad hat hinten nen Platten, dann geht das Telefon, meine Schwestern benötigen dringendst ein altes Fotoalbum meiner Mutter, welches bei uns in der Wohnung liegt. Also Schwiegervater anrufen...., aber wie, beide Handyakkus sind gleichzeitig am Ende. Wir hängen gerade nicht mit unserem WOMI am Stromverteiler, also ab auf die örtliche Toilette und ran mit dem Ladekabel ans Spiegelschränkchen. Irgendwann kriegen wir alles gebacken und auf geht's zu einer wunderschönen Radtour.

Ganz gemütlich radeln wir am Kanal entlang, gibt's doch vieles zu entdecken und zu beobachten. Kaum hat Joe gemeint, wir werden bestimmt noch sehen wie eine der zahlreiche kleine Schleusen befahren wird, nähern sich auch schon zwei, vom weiten eher fremd anmutende Wasser-Gefährte. Als Sie näher kommen sehen wir, dass es sich um sogenannte "Mirage Tandem Kajaks" der Firma "Hobie" handelt. Echt krass die Teile: per Fußpedal, mit dem Paddel oder dem Segel kann man, bzw. die ganze Familie sich fortbewegen.

Wir kommen schnell mit Suzi, Lars, Tiuri und Liva aus Dänemark ins Gespräch. Die wollen doch glatt von Kopenhagen bis nach Istanbul reisen/paddeln. Wie ich's vermutet/gewünscht hatte, dokumentiert Lars die komplette Reise (und das ist nicht das erste Abenteuer der Familie) auf seiner Internetseite oder per Blog in den sozialen Netzwerken wie Facebook. Unbedingt mal reinschauen!!!!

Life is GOOD follow us

Echt beeindruckt von dieser ganz besonderen Begegnung mit einer ganz besonderen Familie radeln wir weiter. Susis Fahrrad-Reifen macht uns Sorgen. Wir müssen immer wieder Luft aufpumpen. So entscheiden wir uns irgendwann wieder umzukehren. Die Tour war bisher schon so schön gewesen, ein "Weniger" (an Kilometern) ist manchmal auch ein "Mehr". Ach wie weise, Joe...

Und richtig, wären wir nicht umgekehrt, hätten wir nicht wieder Eisvögel gesehen. Erst 2-3 Vögel weiter entfernt, dann kreuzt Einer den Kanal von links nach rechts, richtig schön zu beobachten. Was für ein besonderes Glücksgefühl.

Urlaub in der Champagne

Ich hab's bisher noch nicht erwähnt, aber meistens massieren wir uns gegen Abend gegenseitig die Füße. Wow, das tut immer super gut!!!!!

Nach einem lecker Frühstück (natürlich draußen) packen wir alles ein, der Urlaub geht langsam zu Ende. Unsere Französichen Nachbarn sind schon seit dem Vorabend dabei, ein größeres Fest vorzubereiten. Sie haben einen Grillschinken vorbereitet, seit den frühen Morgenstunden lodert am Flussufer ein stattliches Feuer. Wir hatten schon bedenken, dass die Grillaktion noch am Vorabend bzw. während der Nacht abgelaufen würde - ins Gläsen hatten Sie schon seit dem Mittag geschaut...

Zwei Tage haben wir für die Rückreise eingeplant. Susi schlägt vor in Joinville noch mal halt zu machen. Na da hat Sie aber einen guten Riecher gehabt. Schon der Weg ins Zentrum geht vorbei an einem Flusslauf mit Blick auf die Rückseiten der Häuser. Diese Ansicht hats sogar auf die Infoblätter der Region und auf Postkarten geschafft. Zu meinem Leidwesen trete ich in einen frischen Haufen Hundekacke - ohh man, mir dreht sich jetzt noch beim Schreiben der Magen um - ich hasse Hunde/Besitzer die das nicht wegmachen.

Die weit über alle Dächer hinaus ragende Kirche gehört für mich wieder mal zu der Kategorie "etwas Besonderes". Sie scheint wohl über tausend Jahre alt zu sein und beherbergt einige Schätze aus den Jahrhunderten. Eine recht hoch ansteigende Steintreppe am Hinterausgang und ne Statue von Jeanne d'Arc sind einige der Besonderheiten. Ist nicht alles so herausgeputzt wie oft zu sehen, das gibt der Kirche aber diesen besonderen Touch.

Weiter geht's bergauf zu der alten Festung, es sind aber leider nur noch die Grundmauern zu sehen. Von hier Oben sehen wir aber das Château du Grand Jardin, welches in den Infoblättern als besonders sehenswert beschrieben wird. Wir machen uns (mit resten von Hundekacke unterm Schuh) auf den Weg.

Wow, das war ja eine echt gute Idee von Susi hier in Joinville Halt zu machen. Dieses außergewöhnliche Zeugnis der Gartenkunst und der Architektur der Renaissance des Château du Grand Jardin beeindruckt uns vom ersten Moment an. Es gibt ein Buchsbaumlabyrint, einen Laubengang, einen Obstgarten mit seltenen Obstsorten (interessant sind die manchmal nur ca. 1 Meter hohen Spalierobstreihen entlang der Wege), dann das Quadrat der Heilpflanzen und der Blumen und zu guterletzt den romantischen Park, welcher erstaunlicher Weise neuer Wohnort von "Petra" geworden ist. Der Aasee in Münster hat ihr wohl nicht mehr zugesagt (oder die Liebe zum übergroßen, schwan-ähnlichem Tretboot ist in die Brüche gegangen - jetzt scheint ein Liegestuhl die neue große Liebe zu sein).

Mein Fotoapparat ist im Dauereinsatz, überall die schönsten Fotomotive, allem voran mein Schatzi. Echt ein weiterer Highlight unser Reise.

Nachdem wir uns ne ganze Zeit in den Gärten aufgehalten haben schauen wir eher ungläubig, ob nicht eine Tür des Châteaus offen ist. Und Eine ist offen. Im nuh stehen wir im großen Saal, welcher eine interessante Ausstellung birgt. Hammer!!! Wir staunen nicht schlecht, gleich wieder ist der Fotoappart schussbereit.

Im Ort genehmigen wir uns dann noch Crêpes, schauen noch den Bewohnern von Joinville beim Boccia zu, und los gehts Richtung Luxemburg.

Urlaub in der Champagne

Der Treibstoff ist ja in Luxemburg bekanntermaßen recht günstig, nur die Anzahl der Tankstellen entlang der Strecke eher gering. Stellt euch vor, 1 km vor ner Tankstelle geht doch glatt das WOMI aus (war schon ne ganze Zeit auf Reserve - hat aber noch nicht geblinkt, wie ich es vom Corsa kenne). Reaktionsschnell trete ich die Kupplung und schaffe es noch glatt über einen kleinen Hügel, rolle gemächlich die Ausfahrt raus. Puhhh, das hätte aber böse ins Auge gehen können. Eine Gruppe junger Leute nähert sich und ich frage Sie nach ner Tankstelle. Es sind Kanadier, die hier in Luxemburg an ner Uni ein Semester belegt haben. Keine 1000 Meter entfernt soll ne Tankstelle sein. Also hin gejoggt, Kanister gekauft, voll gemacht, zurück zum WOMI.... War ja gar nicht so aufregend....

Wir fahren bis kurz hinter die Grenze und schauen uns nach einem Schlafplatz um. Die Verfasser der WOMO Reisebücher haben schon recht wenn Sie raten, bei Tageslicht einen Stellplatz zu suchen. Wir müssen schon einige Kilometer fahren, bis wir was passendes gefunden haben. Kaum haben wir uns jedoch zur Ruhe gebettet geht das Teather los. Der in unmittelbarer Nähe liegende Parkplatz vor der kleinen Dorfkirche scheint wohl Treffpunkt der hieigen Motor- und HiFi-Tuner-Scene zu sein. Erst geht's BUMBUMBUM, dann BRUMBRUM und dann QUIIIITSCH. Oh man, ich dreh ab... Zum Glück fährt die Truppe dann wohl gemeinsam in die Disco (ist ja Samstagabend)

Ich schlafe ein paar Stunden und mache mich gegen 6:00 Uhr auf die letzten 400 Kilometer.

Was für ein Urlaub, gibt vieles zu erzählen... Gefällt's euch? Wir waren auf jeden fall begeistert!!!

Susi & Joe

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