Vacation 02/2009 - La Gomera - Susi und Joe
Traditionsreiches Dorf Calera im Valle Gran Rey

La Gomera - meine Trauminsel !!! Ich war seit 1991 schon 4 mal dort, 2 mal mit Norbert Wigglinghoff, der diesen Geheimtipp bereits kannte, dann mit Becki und Manfred Bockey, in 2004 mit meiner Tochter Alina und jetzt zusammen mit Susanne.

Wie immer geht's erst mit dem Flieger nach Teneriffa, dann mit der Fähre rüber nach San Sebastián, wo die doch recht anstrengende, zeitaufwändige Anreise bis ins Valle Gran Rey weitergeht. Entweder fahren wir mit dem Bus oder teilen uns ein Taxi mit anderen Urlaubern um die doch recht hohen Taxi-Kosten zu teilen. Wie auch immer, es geht über unendliche Serpentinen hoch auf über 1000 Meter, dann wieder runter ins Valle Gran Rey. Nichts für empfindliche Mägen, ich kann ein Lied davon singen... Nichts desto trotz bekommen wir einen ersten Eindruck dieser genialen Bergregion. Einfach immer wieder traumhaft schön!!!

Wir haben (wie immer) bei Familie Dominguez im traditionsreichen Dorf Calera ein kleines Apartment gebucht. Es liegt etwas Oberhalb, so haben wir einen nicht zu übertreffenden Blick aufs Meer. Noch bei meinem ersten Urlaub waren hier weit und breit nur Bananenplantagen zu sehen. Leider konnten sich die kleinen, aber tausend mal leckereren Gomera-Bananen nicht auf dem Europäischen Markt halten, und so mussten etliche Bananenplantagen dran glauben.

Aussicht direkt aus unserem Bett - Pulpo a la Plancha, Papa Arrugadas und Mojo Soße

Für Susanne ist es ja der erste Urlaub auf La Gomera, so erkunden wir erst mal die nähere Umgebung. Schon die vielen kleinen Gassen in Calera begeistern uns. Überall blüht und duftet es, die Größe von Pflanzen wie z.B. die der Bougainvillea macht uns sprachlos. Und das Meer - am Horizont ist die kleinste Kanareninsel El Hiero zu entdecken.

Später decken wir uns im nahegelegenen Tante Emma Laden mit Lebensmittel ein, zu voll dürfen die Einkaufstüten aber nicht werden, sind schon einige Stufen hoch zu unserem Apartment. Wir müssen uns erst mal akklimatisieren, vom kühlen Winterwetter auf sommerliche 25°C braucht schon ein paar Tage...

Abends besuchen wir das Restaurant unseres Vermieters. Die Gartenterrasse bietet einen traumhaften Blick aufs Meer. Ich bestelle mir Pulpo a la Plancha mit den Kanarischen Papas Arrugadas, die typischen Runzelkartoffeln, die von einer Salzkruste umgeben sind, dazu die genialen Mojo Soßen. Kaum zu überbieten - was geht's uns gut!!! Ich bin ununterbrochen am erzählen, hab ich doch auf meinen ersten Urlauben hier schon so viel erlebt.

Im tropischen Fruchtgarten ArgagaWir haben ja glücklicherweise 3 Wochen Zeit, so steht als erste Unternehmung ein Besuch im Fruchtgarten "Argaga" auf dem Plan. Auf diesem vielfältigsten tropischen Fruchtgarten Europas haben Rosita und Gerd Schrader seit 1985 mehr als 160 tropische und subtropische Fruchtbäume angebaut: von der Avocado über die Cherimoya, die Guave bis zur japanischen Wollmispel wächst hier alles - garantiert "bio".

Wir nehmen natürlich an einer Führung durch das Terrain teil. Neben den Informationen zu den verschiedensten Fruchtbäumen gibt es an die 10 Früchte wie die Macadamia Nuß, Karambole oder Kakies zu probieren. Ganz unbekannte Geschmacksrichtungen und auch die wildesten Farben von Fruchtfleisch faszinieren uns!!!!

Was gebe es besseres als diesen Ausflug mit Cafe und Eis abzurunden....

Wanderung zum Wasserfall - Saftbar in Calera  

Zum Einstieg ist die Tour zum Wasserfall ideal. Unsere Wanderung beginnt in El Guro, das mit seinen individuell restaurierten Häusern als Künstlerdorf bekannt ist. Hier werden wir später noch mal hingehen, denn El Guro bietet unendlich viele "Schätze" die entdeckt werden wollen.

Auf dem ca. 3 Kilometer langem Weg zum Wasserfall gilt es über Felsen zu klettern, den Weg im schmalen Flussbett des Barranco zu finden und durch dichtes Schilf zu streifen. Diese Tour hat auch Alina, damals 10 Jahre alt, total begeistert - Abenteuer pur!!! Immer wieder bleiben wir stehen, beobachten Echsen die sich zwischen Natursteinmauern sonnen, fragen uns was wohl da für eine Frucht am Baum hängt oder schauen zu wie Einheimische die üppigen Palmen anzapfen um den Palmensaft für den Miel de Palma zu ernten. Susanne hat wie immer lecker Proviant dabei, wir machen nicht nur einmal Halt am Wasserfall, sondern verbleiben des Öfteren an sonnigen Stellen und saugen diese fantastische Landschaft in uns auf. Der Wasserfall selbst ist nicht so spektakulär, der gesamte Weg ist der Highlight.

Wieder zurück in Calera ist ein Besuch in der Zumeria Carlos ein Muss! Die Saftbar bietet eine so große Auswahl an Früchten wie Mango, Guave, Papaya und natürlich die Banane an, pur oder mehrere Sorten gemischt, etliche Früchte kennen wir nicht mal. Mein Favorit ist Mango, Susanne experimentiert lieber.

Fantastisch die Brandung - Mr. Krabs - hungrige Echse

Heute erkunden wir den Strandbereich von La Playa im Norden über La Puntilla, Playa de Vueltas bis hin zur Playa de Argaga im Süden. Alle Bereiche haben einen ganz unterschiedlichen Charakter. Der Playa del Ingles wird von Familien eher wenig besucht und ist daher ein Ort für FKK Urlauber. Baden ist hier nur mit einem recht hohen Risiko verbunden, die Strömung lässt einen kaum über die dicken Kieselsteine unverletzt ins Meer gelangen. Baden kann man entlang der Promenade von La Puntilla. Der Strand Playa de Vueltas ist durch eine riesige Hafenmauer des Valle Gran Rey zwar vor Brandung geschützt, es ist allerdings höchst fraglich, ob dieses riesige Bauwerk notwendig war. Hier sollen mal große Kreuzfahrtschiffe anlegen. Jetzt liegen im Wasser lediglich einige kleine Fischerboote. Wir schnorcheln hier ein wenig, Susanne ist ganz erstaunt wie viele Fische es direkt um sie herum zu entdecken gibt. Auch nette Cafes und Eisdiesen gibt es hier zu entdecken, die Redaktion des legendären "Valle-Bote" hat hier seinen Sitz. Die Playa de Argaga, früher als "Schweinebucht" bekannt, liegt abseits südlich an der Finca Argayall gelegen. Diese Finca fungiert heute als Meditationszentrum.

Wir beobachten stundenlang das Spiel der Brandung, Krabben und Echsen, wie die sie sich über eine weggeworfene Apfelkitsche und eine von mir dazugelegte Banane hermachen. Fantastisch!!!!!

El Guro das Künstlerdorf

 

Schon auf unserer Tour zum Wasserfall haben wir das sogenannte Künstlerdorf El Guro passiert. Alle Häuser entlang der schmalen Gassen sind liebevoll und individuell restauriert. Jedes Mal wenn ich mich hier aufhalte träume ich davon eines dieser Häuser zu mieten (wenn das überhaupt möglich wäre) und hier auf Gomera zu leben. Es ist einfach unbeschreiblich schön, die Natur hat so viel zu bieten, überall Früchte, Pflanzen, Echsen, Katzen, und Kunst! Mal sind Ton oder Bildhauerarbeiten im Mauerwerk integriert, mal hängt ein Ölgemälde einfach irgendwo an einer Natursteinmauer, dann wieder ein Hinweisschild auf Ayurveda-Massagen, bei einem meiner früheren Urlaube hier gab es auf einer kleinen Terrasse hinter einem dieser Häuser mit dem schönsten Blick über das Tal der Könige sogar Kaffee und den besten Bananenkuchen den ich je gegessen habe. Oh man, ich werde glatt wehmütig, vielleicht sollte ich doch an diesem Traum arbeiten und mit Susanne hier her ziehen....

Markanter Wacholderbaum Hochebene von La Merica

Heute geht es auf den ca. 1000 Meter hoch gelegenen Hausberg und die Hochebene von La Merica. Der steile, gewundene Weg startet direkt hinter unserem Quartier und verlangt uns schon einiges an Kondition ab. Wir lassen es langsam angehen und genießen mehr und mehr das fantastische Panorama über Tal und Meer. Erstes Ziel ist ein markanter, einsam gelegener Wacholderbaum, der bereits von den Stränden im Valle gut zu sehen ist.

Weiter führt der Weg nun sachter über die La Merica Hochebene, vorbei an Ziegen, halb zerfallenen Natursteinhäuser, die wahrscheinlich von den Hippies, die hier in den sechziger Jahren zu Tausenden gelebt haben, errichtet wurden. Einfach traumhaft schön hier oben. Am frühen Nachmittag erreichen wir Arure, eines der ältesten Bergdörfer La Gomeras. Zum Glück finden wir ein kleines Restaurant und bestellen uns ein Menü mit landestypischen Spezialitäten. Gofio, ein Gemisch aus geröstetem Mais- und Gerstenmehl, frittierten Fisch, Papas Arrugadas, Almogrote, einen mit Öl angemachten Hartkäse und natürlich grüne und rote Mojo Soße. Dazu frisch gepresster Orangensaft.... Hammer!!!

Die meisten Wanderer gelangen von hier per Bus oder Taxi wieder zurück ins Valle Gran Rey. Es fährt nur kein Bus. Wir laufen erst mal die Strasse entlang und trampen - so wie früher. Dauert nicht lange und wir werden von einem Touristenpärchen mitgenommen.

Nebelwald Garajonay

Der immergrüne Nebelwald um den höchsten Berg Alto de Garajonay (1487m) ist der einzige Überrest der subtropischen Wälder in Europa, die im Tertiär den gesamten Mittelmeerraum bedeckten, eine Wanderung durch den Nationalpark gehört bei einem Gomera Urlaub dazu.

Wir fahren mit dem Bus zur Laguna Granda und starten warm eingepackt durch dichten Nebel, atmen die feuchte, angenehm kühle Luft ein. Diese Nebelwolken begünstigen den Wuchs wunderschöner Moose und Flechten, wir wandeln in einem Märchenwald der Gnome und Elfen, die sich unter knorrigen Ästen und Wurzeln verstecken. An Lichtungen plätschern kleine Bachläufe, überall sehen wir mächtige Lorbeerbäume, riesig hohe Baumheide und eine Vielzahl weiterer, häufig endemischer Pflanzen. Oben auf dem Garajonay haben wir einen schönen Überblick auf diesen riesigen Nationalpark, wie viele Wandertouren es hier wohl gibt. Uns führt der Weg weiter nach Chipude, zwischendurch sind wir aber kaum noch sicher ob wir irgendwann mal in Chipude ankommen. Zudem plagen Susanne heftige Kopfschmerzen, wir finden aber zurück in die Zivilisation und auch eine Bushaltestelle...

Sonnenuntergang bei Maria - Chillen am YaYa

 

Wer schon mal im Valle Gran Rey war weiß es, dass "Sonnenuntergang beobachten" bei Maria Kult ist. Wir sind des Öfteren dabei, lauschen der Brandung und den Bongospielern, bestaunen immer wieder spektakuläre Sonnenuntergänge und schauen bei einsetzender Dunkelheit den Feuerkünstlern zu. Ist schon zum Glück eine andere Art hier Urlaub zu machen. Auch wenn sich der Tourismus hier zu einer wichtigen Einnahmequelle für die Inselbewohner entwickelt hat, so ist doch immer noch was aus den Zeiten zurück geblieben, als hier Ende der sechziger, Anfang der siebziger Jahre Tausende von Hippies die Insel bevölkert haben - Love & Peace!!!!!!

Susi & Joe

Und hier noch eine Anekdote aus dem Valle-Boten als Zugabe:

Der Valle-Bote

 

Das gomerianische Hanghuhn

Gomerianische Hanghühner leben - daher der Name - an den Hängen der Berge Gomeras. Weitläufig verwandt sind sie übrigens mit den bekannten ostfriesischen Deichhühnern, mit denen sie auch ihre stets einseitig geneigte Lebensweise teilen.

Hanghühner haben sich - wie die meisten Tiere - ihrer Umwelt im Laufe der Evolution perfekt angepasst. Und so, wie der Scholle beispielsweise in Jahrtausenden beide Augen auf die gleiche Körperseite gewandert sind, so entwickelte das gomerianische Hanghuhn ein (kürzeres) Berg- und ein (längeres) Talbein. An diesen unterschiedlich langen Beinen sind Hanghühner selbst vom Laien leicht von allen anderen Hühnern zu unterscheiden. Wie alle Hühner pflegt nämlich auch das Hanghuhn durch Aufscharren des Bodens nach Nahrung zu suchen. Wären nun beide Beine gleich lang, so würde das Tier Schwierigkeiten haben, sich während der Nahrungssuche an den steilen Berghängen der Insel im Gleichgewicht halten zu können.

In der gomerianischen Gastronomie spielt das Hanghuhn seit je eine wichtige Rolle. Während der unwissende Gast gern mit dem (kleinen und dünnen) Bergbein abgespeist wird, besteht der Kenner auf "Muslo del Valle" - also dem Talbein, welches sehr viel größer und fleischiger ist.

Auch das Einfangen der gomerianischen Berghühner erfolgt nach einer inselspezifischen Methode: dem "Silbo gallinero" - wörtlich übersetzt dem "Hühnerpfiff". Wird dieser Pfiff hinter einem äsenden Hanghuhn unvermutet ausgestossen, so dreht sich das Huhn sofort erschreckt um. Bergbein wird plötzlich Talbein und - zack - fällt das Huhn um.

Ob es allerdings stimmt, dass gomerianische Hanghühner inzwischen viereckige Eier legen, die ihnen nicht mehr vom Hang runter rollen können, wird von ernsthaften Hühnerforschern bezweifelt. "Es mag sein," räumt Prof. Tietzenberger vom insularen Hühnerforschungs-Institut auf Befragen ein, "dass Hanghuhneier weniger rund sind als normale Eier, aber als viereckig würde ich sie nicht gerade beschreiben." Schade. Viereckige Hanghuhn-Eier liessen sich ja viel rationeller stapeln und exportieren.

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